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"Is Meat Killing Us?"

Mediziner bewerten Rolle der Ernährung

für die Gesundheit

Ein Forscherteam hat großangelegte Studien und die Daten von insgesamt mehr als 1,5 Millionen Menschen ausgewertet und die Ergebnisse im renommierten Journal of the American Osteopathic Association unter der Überschrift »Is Meat Killing Us?« veröffentlicht. Das Fazit der Analyse: Wer täglich rotes oder verarbeitetes Fleisch zu sich nimmt, erhöht sein Sterberisiko. Und: Es verdichten sich die Hinweise, dass die gesündeste Ernährungsweise weitestgehend ohne tierische Produkte auskommt und möglichst viel pflanzliche Kost verzehrt werden sollte.

Wissenschaftliche Studien zeigen:

Wer täglich rotes oder verarbeitetes Fleisch zu sich nimmt, erhöht sein Sterberisiko. · Bild: Kondor83 - Fotolia.com

Als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Ende Oktober 2015 verarbeitetes Fleisch als krebserregend einstufte, war der Aufschrei groß: Die WHO hatte die gesundheitliche Bedrohung durch Fleischwaren wie Wurst, Schinken und Speck auf eine Stufe mit der Krebsgefahr durch Asbest, Arsen und Zigaretten gestellt. Zudem wurde rotes Fleisch als »wahrscheinlich krebserregend« eingestuft. Die Agrarlobby wiegelte sofort ab, Wurst­hersteller kritisierten die »Verunsicherung der Verbraucher« aufs Schärfste und sprachen gar von »Fleisch-Terrorismus«. Der Bundesminister für Landwirtschaft und Verbraucherschutz Schmidt beeilte sich zu beruhigen: »Niemand muss Angst haben, wenn er mal eine Bratwurst isst. Die Menschen werden zu Unrecht verunsichert, wenn man Fleisch mit Asbest oder Tabak auf eine Stufe stellt.«

Jetzt weisen Forscher daraufhin, dass weitere Studien das Statement der WHO stützen (s. Kasten). »Häufig fragen Patienten nach der Rolle der Ernährung für die Gesundheit, einschließlich der Vorbeugung von Krankheiten und der Verringerung des Sterblichkeitsrisikos«, schreiben die Mediziner um Dr. Heather Fields und Dr. Denise Millstine im Journal of the American Osteopathic Association (Mai 2016). Mit ihrer Auswertung wollen die Forscher Allgemeinmedizinern verlässliche Daten liefern, die bei der Ernährungsberatung von Patienten helfen sollten.

Die Wissenschaftler kommen auf der Grundlage einer Vielzahl von Studien zu dem Schluss: »Trotz Variabilität in den Daten liegt der folgerichtige Beweis vor, dass eine erhöhte Aufnahme von rotem Fleisch, vor allem verarbeitetem Fleisch, mit einer erhöhten Gesamtmortalität assoziiert ist. Rotes Fleisch erhöht auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebssterblichkeit in den westlichen Ländern. Eine vegane Ernährung verbessert nachweislich verschiedene gesundheitliche Parameter, einschließlich der Aufhebung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verringertem BMI, verringertem Risiko für Diabetes und Normalisierung des Blutdrucks.« Die evidenzbasierte Empfehlung der Mediziner: Ärzte sollten Patienten zu einer Ernährung auf pflanzlicher Basis mit vollwertigen, unverarbeiteten Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte raten. Wenn eine solche Empfehlung für einen Patienten eine zu schwierige Veränderung darstelle, sollten Ärzte zur Reduzierung tierischer Produkte und zur Vermeidung von rotem und verarbeitetem Fleisch raten.

Gefahr durch rotes Fleisch

In einer Meta-Studie, bei der eine Million Menschen über einen Zeitraum von 5,5 bis 28 Jahren beobachtet wurden, wiesen Wissenschaftler 2014 einen steilen Anstieg der Sterblichkeit schon bei einer kleinen Zunahme des Verzehrs von rotem Fleisch (verarbeitet und unverarbeitet) nach.

Eine weitere Meta-Analyse mit 1,5 Millionen Menschen, die sich auf Todesfälle durch Herz-Kreislauferkrankungen wie Schlaganfälle und Herzinfarkte fokussierte, wies ein höheres Sterberisiko beim Konsum von verarbeitetem Fleisch nach.

Bereits in einer Studie aus dem Jahr 2003 ergaben Vergleiche zwischen Menschen, die viel Fleisch essen und solchen, die wenig oder kein Fleisch essen, eine geringere Sterblichkeitsrate bei Fleischverzicht. In dieser Studie entdeckten die Forscher zudem Erstaunliches bei den Vegetariern: Wer tote Tiere bereits länger als 17 Jahre vom Speiseplan gestrichen hatte, lebte im Schnitt 3,6 Jahr länger als die Kurzzeitvegetarier.

Quellen:
• Heather Fields, Denise Millstine et al: Is Meat Killing Us? The Journal of the American Osteopathic Association, May 2016, Vol. 116, 296-300. doi:10.7556/jaoa.2016.059 ·
http://jaoa.org/article.aspx?articleid=2517494
• So gefährlich ist der Konsum von rotem Fleisch. DIE WELT, 6.5.2016
• WHO stuft Wurst als krebserregend ein. tagesschau.de, 26.10.2015
• Wurst und Fleisch: Industrie kritisiert WHO-Urteil über Krebsgefahr. spiegel.de, 27.10.2016
• Pressestatement von Bundesminister Christian Schmidt zur WHO-Studie zum Thema Fleisch und Wurst. 27.10.2015

Oxford-Studie: Vegane Ernährung rettet Leben

Eine Studie der University of Oxford kommt zu dem Schluss: Würde sich die Weltbevölkerung pflanzlich(er) ernähren, könnte dies Millionen von Menschenleben retten, positive Auswirkungen auf das Klima haben und bis zu 3 Billionen Dollar Kosten einsparen.

Die Wissenschaftler untersuchten, wie sich bis zum Jahr 2050 verschiedene Ernährungsweisen auf Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft auswirken würden:
· Reduzierung des Fleischkonsums
· vegetarische Ernährung
· rein pflanzliche Ernährung

Auswirkungen auf die Gesundheit
Die Ergebnisse der Studie zeigen den enormen Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit. Demnach würden
· durch eine fleischreduzierte Ernährung 5,1 Millionen
· bei einer vegetarischen Ernährung 7,3 Millionen
· bei veganer Ernährung 8,1 Millionen
Menschen pro Jahr weniger durch ernährungsbedingte Krankheiten sterben.

Auswirkungen auf das Klima
Ernährungsbedingte Treibhausgasemissionen würden bis 2050
· bei weniger Fleischkonsum um 29 %
· durch vegetarische Ernährung um 63%
· durch vegane Ernährung um 70 %
reduziert.

Wirtschaftliche Auswirkungen
Durch eine Änderung der Ernährungsweise könnten pro Jahr bis 1 Billion US-Dollar Gesundheitskosten (plus Kosten durch den Verlust von Arbeitskraft) sowie durch reduzierte Treibhausgas­emissionen weitere bis zu 570 Milliarden Dollar eingespart werden.
»Insgesamt schätzen wir die wirtschaftlichen Vorteile bis 2050 auf 1–31 Trillion US-Dollar, was 0,4 bis 13% des weltweiten Brutto­inlandsprodukts im Jahr 2050 entspricht«, so die Forscher.

Quelle: Marco Springmann et al: Analysis and valuation of the health and climate change cobenefits of dietary change. In: PNAS Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Vol. 113 No. 15 · www.pnas.org/content/early/2016/03/16/1523119113