Freiheit für Tiere
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Immer mehr jagdfreie Grundstücke in Deutschland

"Keine Jagd auf meinem Grundstück!"

Immer mehr Grundstückseigentümer,

die ihren Wald, ihre Wiesen und Felder nicht bejagen lassen wollen, beantragen das Ruhen der Jagd. Möglich macht dies ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. · Bild: Optox - Fotolia.com

Von Julia Brunke

Von Bayern bis Schleswig-Holstein: In Deutschland gibt es immer mehr jagdfreie Grundstücke! In Rheinland-Pfalz ist mit dem Beginn des neuen Jagdjahres zum 1.4.2015 ein ganzes Bio-Weingut von den Behörden befriedet worden. In Sachsen-Anhalt und Hessen sind erste Grundstück seit 1.4.2015 jagdrechtlich befriedet, auch weitere Grundstücke in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sind seit 1.4.2015 offiziell jagdfrei. Im März 2015 wurde ein Grundstück im nordrhein-westfälischen Mönchengladbach jagdfrei gestellt. Seit 1. April 2014 sind in Bayern, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein und etliche Hektar Wiesen, Wälder und Felder offiziell jagdfrei. In Bayern waren bereits Anfang 2013 die ersten Grundstücke durch einen Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs jagdfrei gestellt worden. In Baden-Württemberg wurden 2013 Grundstücke vorläufig jagdrechtlich befriedet. Ein großartiger Erfolg im Sinne der Rechte von Grundstückseigentümern und des Tierschutzes! Und die Welle rollt: In diesem Jahr werden viele weitere Grundstücke jagdfrei – und bieten damit wertvolle Schutzgebiete für Natur und Tiere.

Immer mehr Grundstückseigentümer wollen nicht länger hinnehmen, dass Jäger ihre Grundstücke betreten und dort Tiere tot schießen oder Fallen aufstellen. Sie berufen sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012: Dieser hatte entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, wenn der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt. Aufgrund dieses Urteils wurde die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, ihre Jagdgesetzgebung entsprechend zu ändern.

Bundesweit haben bereits einige Hundert Grundeigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt.

Es verstößt

gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, wenn ein Grundstücks­eigentümer zwangsweise Mitglied in einer Jagdgenossenschaft ist und damit die Jagd auf seinem Land dulden muss, obwohl er sie aus ethischen Gründen ablehnt. · Bild: jabri65 - Fotolia.com

Grundstückseigentümer siegt 2012

vor dem Europäischen Gerichtshof

Er war der erste Deutsche, der gegen die Jagd auf seinem Grundstück vor der dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagte - und gewann: Auf den beiden Waldgrundstücken von Rechtsanwalt Günter Herrmann in Rheinland-Pfalz darf seit dem 26.6.2012 nicht mehr gejagt werden.

Der Tierfreund kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn Jäger sein Grundstück gegen seinen Willen betreten, um dort Tiere zu töten. Als Eigentümer zweier Waldgrundstücke in Rheinland-Pfalz war er automatisch Mitglied in einer Jagdgenossenschaft. Hiergegen hatte er vor den deutschen Verwaltungsgerichten und vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt - ohne Erfolg. 2007 rief er den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Denn dieser hatte bereits 1999 im Fall von Frankreich und 2007 im Fall von Luxemburg entschieden, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht. (Urteil in der Rechtssache Chassagnou und andere gegen Frankreich vom 29.4.1999 · Urteil in der Rechtssache Schneider gegen Luxemburg vom 10.6.2007)

Am 26.6.2012 verkündete der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Urteil der Großen Kammer im Fall Herrmann gegen die Bundesrepublik Deutschland (Beschwerdenummer 9300/07). Der Europäische Gerichtshof stellte eine Verletzung von Artikel 1 Protokoll Nr. 1 (Schutz des Eigentums) zur Europäischen Menschenrechtskonvention fest, wenn ein Grundstückseigentümer die Jagd auf seinem Land dulden muss, obwohl er sie aus ethischen Gründen ablehnt. Der Gerichtshof befand insbesondere, dass diese Verpflichtung Grundstücksbesitzern in Deutschland, welche die Jagd ablehnen, eine unverhältnismäßige Belastung auferlegt.

Europäischer Gerichtshof entscheidet erneut gegen

gegen Zwangsbejagung von Grundstücken

Familie Scholvien protestiert bereits seit Jahren gegen die Zwangsbejagung ihrer Grundstücke in Nünschweiler (Landkreis Pirmansens), insbesondere gegen die Errichtung eines Hochsitzes.
Dafür zogen sie sogar vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser stellte in seiner
Entscheidung vom 15.11.2013 in der Sache Scholvien et al gegen die Bundesrepublik Deutschland (Beschwerdenummer 13166/08) erneut fest, dass die Zwangsbejagung von Grundstücken ethischer Jagdgegner gegen die Europäische Konvention für Menschenrechte verstößt.

Unter Berufung auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 1999 im Falle französischer Kläger, die gegen die Zwangsbejagung ihrer Grundstücke geklagt hatten, hatten die Scholviens die deutschen Gerichte angerufen: Die vegan lebenden Tierfreunde konnten es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass Jäger auf ihrem Grundstück Tiere tot schossen. Nachdem alle deutschen Gerichte bis zum Bundesverfassunggericht die Klage zurückgewiesen hatten, reichte Familie Scholvien bereits im Jahr 2008 Beschwerde beim EGMR ein. Am 15.11.2013 stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Verletzung der Menschenrechte fest und verurteilte die Bundesrepublik Deutschland zur Zahlung einer Entschädigung.

Familie Scholvien will die Jagd

auf ihrem Grundstück nicht hinnehmen und hat eine »Bank des Friedens zwischen Mensch und Tier« aufgestellt. Der Hochsitz wurde vom neuen Jagdpächter inzwischen demontiert. Für ein Jagd­verbot auf ihrem Grundstück zog die vegan lebende Familie bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. · Bild: Carsten Scholvien

Bayern:

Erste Grundstücke schon seit April 2013 jagdfrei!

In Bayern sind etliche Grundstücke bereits seit Beginn des Jagdjahres 2013/14 am 1.4.2013 jagdfrei. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) hatte mit Beschlüssen vom 30.1.2013
entschieden, dass auf dem Grundstück von Roland Dunkel in Frankenbrunn sowie auf dem Grundstück von Ursula Becker im unterfränkischen Güntersleben vorläufig nicht mehr gejagt werden darf. Das Verwaltungsgericht Würzburg stellte am 5.3.2013 die Grundstücke von Stefan Körber in Dettelbach und Mainsondheim jagdfrei. Am 18.04.2013 wurden vier Waldgrundstücke in Niederbayern im Eilverfahren vom Bayerischen Verwaltungsgericht Regensburg vorläufig jagdrechtlich befriedet. Und seit September 2013 ruht die Jagd auch auf der Streuobstwiese von Günter Scheuring in den Hassbergen.

Der Tierschützer und Vegetarier Roland Dunkel

hatte bereits im Mai 2007 den Antrag auf Austritt aus der Jagdgenossenschaft gestellt. Sechs Jahre musste er warten. Seit 1. April 2013 ist sein Grundstück in Frankenbrunn jagdfrei. · Bild: www.zwangsbejagung-ade.de

Roland Dunkel engagiert sich seit vielen Jahren im Tierschutz. »Ich möchte nicht, dass auf meinem Grundstück Tiere zu leiden haben. Alle 6 Sekunden stirbt in Deutschland ein Tier durch Jägerhand. Viele Tiere sind nicht sofort tot, sondern leiden furchtbare Qualen«.

Der Tierschützer und Vegetarier stellte bereits am 7. Mai 2007 den Antrag auf Austritt aus der Jagdgenossenschaft bei der unteren Jagdbehörde Bad Kissingen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Sechs Jahre musste Roland Dunkel warten, bis der Bayerische Verwaltungsgerichtshof sein Grundstück jagdfrei stellte. Seit 1. April 2013 darf auf seiner Wiese am Rande der Rhön nicht mehr gejagt werden. (BayVGH, Beschluss vom 30.01.2013 - 19 AE 12.2123) Damit war es zum ersten Mal seit Bestehen des Bundesjagdgesetzes einem ethischen Jagdgegner gelungen, sein der generellen Jagdpflicht unterliegendes Grundstück gegen den Willen der Behörden jagdfrei zu stellen!

Ursula Becker aus Unterfranken hatte schon am 6.3.2007 für ihr Grundstück in Güntersleben den Antrag auf Austritt aus der Jagdgenossenschaft gestellt. Die Tierfreundin hatte das idyllische Grundstück gekauft, um ein Biotop zu schaffen, ein Rückzugsgebiet für Tiere.

Beim Prozess vor dem Verwaltungsgericht Würzburg am 13.11.2008 sagte sie: »Ich bin Vegetarierin und kann die Jagd aus ethischen Gründen nicht verantworten. Auf meinem Grundstück muss ich jedoch indirekt die Tiere zum Abschuss freigeben - dabei wollte ich ein Refugium für Tiere schaffen.« Auch Ursula Becker musste sechs Jahre warten bis zur Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs am 30.1.2013: Seit 1.4.2013 ist ihr Grundstück nun auch endlich jagdfrei.

Nach dem entscheidenden Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30.1.2013 schlossen sich das Verwaltungsgericht Regensburg und das Verwaltungsgericht Würzburg der neuen Rechtssprechung an. Mit Beschluss vom 19.2.2013 hat das Verwaltungsgericht Regensburg in einem Eilverfahren entschieden, dass auch auf dem Grundstück einer ethischen Jagdgegnerin aus Landshut vorläufig nicht mehr gejagt werden darf. (VG Regensburg, Beschluss v. 19.02.2013 - RN 4 E 13.183)

Am 18.4.2013 stellte das Verwaltungsgericht Regensburg ganze 47 Grundstücke eines Landwirts im Eilverfahren vorläufig jagdfrei. (VG Regensburg, Beschluss v. 18.4.2013, Az.: RN 4 E 13.310)

2,5 Hektar in Unterfranken jagdfrei

Auch Stefan Körber will nicht, dass auf seinen Grundstücken Tiere totgeschossen werden. Seit 1.4.2013 sind die 2,5 Hektar des vegan lebenden Tierfreunds unterfränkischen Dettelbach und Mainsondheim jagdfrei.
Das Bayerische Verwaltungsgericht Würzburg hatte am 5.03.2013 in einem Eilverfahren entschieden, dass auf den beiden Grundstücken vorläufig nicht auf Wildtiere geschossen werden darf, bis die Neureglung des Bundesjagdgesetzes in Kraft tritt. (VG Würzburg, Beschluss v. 05.03.2013 - W 5 E 13.138) Seit 1.4.2014 sind die Grundstücke durch das Landratsamt Kitzingen offiziell jagdrechtlich befriedet. Verwaltungsgebühr: 500 Euro.

Obstwiese in den Hassbergen jagdfrei

Günter Scheuring kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn auf seinem Grundstück am Ostheimer Ölberg in den Hassbergen / Nordbayern gejagt wird. Seit September 2013 ruht die Jagd auf der Streuobstwiese. Die Wiese am Waldrand mit alten Obstbäumen ist ein idyllisches Fleckchen - und hier sollen auch die Tiere ihren Frieden haben.

Entscheidend ist für Günter Scheuring das Gebot ‘Du sollst nicht töten!’: »Für mich als tierliebender Mensch gibt es keinen Unterschied zwischen den Rechten der Tiere und denen der Menschen. Somit schließe ich auch niemanden aus, wenn es darum geht, wer nicht getötet werden darf. ‘Du sollst nicht töten!’ beziehe ich auf alle Lebewesen.«

Darum berief sich der Tierschützer und Vegetarier auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012, stellte einen Antrag auf Ruhen der Jagd und schaltete einen Rechtsanwalt ein. Die untere Jagdbehörde stimmte dem Antrag nach Absprache mit Jagdpächter und Jagdgenossenschaft zu.

Günter Scheuring hat auf seinem Grundstück

am Ostheimer Ölberg Schilder aufgestellt, welche die Grundstücksgrenze zeigen. »Jagdfreies Grundstück« steht auf den Schildern. Denn: Seine rund 2000 Quadratmeter Streuobstwiese sind eine »befriedete Fläche«. · Bild: Günter Scheuring

Grundstück im Kreis Erlangen-Höchstadt jagdfrei

Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt hat ein Grundstück eines Jagdgegners mit Bescheid vom 26.5.2014 zum 1.4.2015 jagdrechtlich befriedet.
Der Grundstückseigentümer gab an, dass er gegen die Ermordung von Tieren sei und überzeugt, dass sich Wildbestände selbst regulieren können.
Die Verwaltungsgebühr betrug 200 Euro.

Niederbayern: 0,7 Prozent der Fläche jagdfrei

In Niederbayern wurden seit 2013 insgesamt 49 Anträge auf jagdrechtliche Befriedung privater Grundstücke bei der unteren Jagdbehörde gestellt. Bisher seien rund 52 Hektar befriedet worden - 0,7 Prozent der bejagbaren Flächen. Dies berichtet die Passauer Neue Presse am 21.2.2015.
In 31 Verfahren stehe die Entscheidung noch aus. Nach Informationen der Zeitung laufen in Oberbayern acht Verfahren, davon zwei im Landkreis Berchtesgaden, eines in Traunstein.

Vier Waldgrundstücke seit 1.4.2014 jagdfrei!

Seit Beginn des Jagdjahres 2014/15 am 1.4.2014 sind die vier Waldgrundstücke von Familie Vilsmaier in Niederbayern offiziell jagdfrei. »Das ging ohne Probleme, die Kosten hierfür waren nur 150 Euro«, berichtet Fred Vilsmaier.

2008 kauften Susanne und Fred Vilsmaier vier Waldgrundstücke in Niederbayern. »Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir mit diesem Kauf automatisch Zwangsmitglieder der örtlichen Jagdgenossenschaft wurden. Da wir uns seit vielen Jahrzehnten für den Tierschutz engagieren, waren wir entsetzt.«

Nach dem Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30.1.2013 stellten die Tierfreunde einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung beim Landratsamt in Kelheim. Am 18.04.2013 wurde das Grundstück im Eilverfahren vom Bayerischen Verwaltungs­gericht Regensburg vorläufig jagdrechtlich befriedet. »Seit 1.4.2014 ist unser Wald vom Landratsamt aufgrund der Gesetzesänderung dauerhaft jagdrechtlich befriedet«, so Fred Vilsmaier.

Die Vilsmaiers sind überzeugt: »Tiere haben die gleichen Gefühle wie der Mensch und sie können Freude und Leid genauso zum Ausdruck bringen.« Und: »Die heutige Form der Jagd dient ausschließlich der Freude am Töten. Auf was man schießt, ist völlig egal. Das Wild wird gefüttert, um großen Bestand zu haben, den man anschließend wieder abschießen kann. Mit Hege hat das wirklich nichts mehr zu tun.«

Es sind bereits einige Waldnachbarn auf die Vilsmaiers zugekommen mit der Frage, wie man einen Antrag stellen kann. »Viele haben von der Zwangsmitgliedschaft erst durch uns erfahren«.

Die vier Waldgrundstücke von Familie Vilsmaier

in Niederbayern sind seit 1.4.2014 offiziell jagdfrei. · Bild: Fred Vilsmaier

Landwirtschaft im Landkreis Passau jagdfrei

Nach dem entscheidenden Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30.1.2013 schloss sich das Verwaltungsgericht Regensburg der neuen Rechtssprechung an und stellte am 18.4.2013 ganze 47 Grundstücke eines Landwirts im Eilverfahren vorläufig jagdfrei. (VG Regensburg, Beschluss v. 18.4.2013, Az.: RN 4 E 13.310)
Mit Bescheid vom 19.8.2014 hat das Landratsamt Passau die Grundstücke endgültig jagdfrei gestellt.

Die Grundstücke liegen in zwei verschieden Jagdrevieren. Die Flächen in dem einen Jagdrevier wurden vollständig befriedet. Die Grundstücke in dem anderen Jagdrevier wurden befriedet, der Landwirt muss jedoch als Ausnahmeregelung Bewegungsjagden hinnehmen. Dagegen klagt der Landwirt vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht Regensburg.

Grundstück in Landshut jagdfrei

Nach dem entscheidenden Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 30.1.2013 schloss sich das Verwaltungsgericht Regensburg der neuen Rechtssprechung an und hat mit Beschluss vom 19.2.2013 in einem Eilverfahren entschieden, dass auf dem Grundstück einer ethischen Jagdgegnerin aus Landshut vorläufig nicht mehr gejagt werden darf. (VG Regensburg, Beschluss v. 19.02.2013 - RN 4 E 13.183)

Baden-Württemberg: Behörden haben

Grundstücke 2013 vorläufig befriedet

In Baden-Württemberg hat das Landratsamt Konstanz Anfang 2013 einem Bio-Landwirt vorläufig den Austritt aus der Jagdgenossenschaft gestattet, um einer Verurteilung durch das Verwaltungsgericht Freiburg im Eilverfahren zu entgehen. Das Landratsamt Calw, ebenfalls Baden-Württemberg, hat sich dieser Vorgehensweise angeschlossen.

Die Behörde hat für die Flächen des Bio-Landwirts aus dem Kreis Konstanz am 6.3.2013 einen vorläufigen Bescheid erteilt, also noch vor Inkrafttreten der Jagdgesetzänderung. Das Verwaltungsverfahren über endgültige jagdrechtliche Befriedung der Grundstücke läuft noch. Der Bio-Landwirt möchte auf seinen Flächen die ihm anvertraute Natur pflegen und das Leben von Pflanzen und Wildtieren schützen.

Auch im Kreis Sigmaringen gibt es mindestens einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung eines privaten Grundstücks: »Vegetarierin will Jagd auf ihrem Grundstück verbieten«, titelte die Schwäbische Zeitung. »Ich lehne es grundsätzlich ab, Tiere zu töten«, zitiert die Zeitung Grundstücksbesitzerin Elisabeth Vogel. Der Naturschützerin und Vegetarierin seien besonders Drückjagden ein Dorn im Auge. (Schwäbische Zeitung, 18.02.2014)

Grundstück in Markdorf jagdfrei

Das zwei Hektar große Grundstück von Rudolf Moser bei Markdorf im Bodenseekreis ist jetzt jagdrechtlich befriedet. Dies berichtet die Schwäbische Zeitung am 19.8.2014 unter dem Titel „Tierfreund setzt sich gegen Jäger durch“.

Rudolf Moser und seine Frau haben auf dem Grundstück ein Biotop errichtet, ein eingetragenes Naturschutzgebiet mit geschützten Pflanzenarten, einem Tümpel und Streuobstwiese. Zudem befindet sich ein Storchennest auf seinem Grundstück. Die Storchenbeauftragte des Landes Baden-Württemberg empfiehlt, dass in einem Radius von 300 Metern um das Storchennest herum nicht geschossen werden sollte.

Rudolf Moser berichtete in der SWR-Landesschau am 7.5.2014, dass er als Junge mit einem Luftgewehr auf Vögel geschossen habe. Dabei verletzte er eine Amsel und nahm das Tier in die Hand: "Die Amsel hat gefiept und mich angeschaut. Sie ist dann in meinen Händen gestorben. Und da habe ich gewusst, was ich bislang getan habe. Und da hat die Schießerei für mich aufgehört."

„Meine Frau und ich wollten, dass das Grundstück auch ein Refugium für Tiere und nicht nur für Pflanzen ist“, zitiert die Schwäbische Zeitung den 83-jähringen Tierfreund, der die Jagd aus tiefster Überzeugung ablehnt.

Moser musste erleben, wie Jäger auf seiner Obstwiese, auf der er ein Biotop angelegt hat, eine Treibjagd veranstalteten. So etwas will der Senior nicht wieder erleben müssen: Er stellte einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung seines Grundstücks und berief sich auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2012.

Im Juli 2014 genehmigte das Kreisjagdamt seinen Antrag.



Niedersachsen: Ulmenhof jagdfrei!

Seit 1.4.2015 sind die Flächen des Ulmenhofs im Kreis Aurich/Ostfriesland offiziell jagdfrei! Ulmenhof e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der ein kleines Tierheim mit Gnadenhof errichtet hat. Pferde, Ziegen, Mini-Schweine, Gänse und Fundtiere wie zahlreiche Katzen haben hier ein Zuhause gefunden.

»Was wir versucht und nunmehr erreicht haben, ist, die Tiere auf dem Ulmenhof bestmöglich zu schützen«, so Thomas und Esther Huber, nachdem die Jagdbehörde am 28.7.2014 dem Antrag auf jagdrechtliche Befriedung statt gegeben hatte. Sie hatten um ihre Tiere gefürchtet, nachdem der Jagdpächter einen Hochsitz in Sichtweite aufgestellt und das Grundstück mit Jagdfreunden betreten hatte.

Nach Bescheid auf Befriedung: Katze erschossen

Doch die Bewohner des Ulmenhofs hatten sich zu früh gefreut: »Seit unserer Befriedung spitzt sich die Lage hier leider ins fast Unerträgliche zu«, berichtet Thomas Huber. »Die Provokationen, denen wir seitens des hiesigen Jagdpächters ausgesetzt sind, nehmen unvorstellbare Formen an.« Am Abend des 5. September wurde Fee, eine der Tierheim-Katzen, erschossen - vor den Augen von Esther Huber, nicht einmal 40 Meter von der Scheune entfernt. Es wurde Strafantrag gestellt - ohne Erfolg, da Aussage gegen Aussage steht.

Mehr Informationen über den Ulmenhof:
ulmenhofev.de

Ulmenhof e.V. ist ein gemeinnütziger Verein,

der ein kleines Tierheim mit Gnadenhof errichtet hat. Pferde, Ziegen, Mini-Schweine, Gänse und Fundtiere wie zahlreiche Katzen haben hier ein Zuhause gefunden. · Bild: www.ulmenhof.de

Um ihre Tiere zu schützen,

wollten die Eigentümer des Ulmenhofs die Jagd auf ihren Flächen nicht mehr dulden. · Bild: www.ulmenhof.de

Niedersachsen, Landkreis Wesermarsch:

Jan Gerdes und Karin Mück führen mit der Tierschutzstiftung Hof Butenland einen Gnadenhof mit Kuhaltersheim.

Niedersachsen: Hof Butenland jagdfrei!

Hof Butenland im Landkreis Wesermarsch (nordwestliches Niedersachsen) wurde mit Bescheid vom 14.10.2014 von der zuständigen Behörde Butenland offiziell jagdfrei gestellt - rückwirkend zum 1.4.2014.

Jan Gerdes und Karin Mück führen mit der Tierschutzstiftung Hof Butenland einen Gnadenhof mit Kuhaltersheim.

Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern groß geworden, beendete Jan Gerdes 2001 die Nutzung von Tieren und verbannte Fleisch und Wurst von seinem Speiseplan. Früher war Jan Gerdes selbst Jäger und weiß, wovon er spricht. Er erlebte mit, wie viele Tiere nur angeschossen wurden und sich zu Tode quälten. Als Tierschützer und Veganer lehnt er die Jagd heute aus ethischen Gründen ab.
Umso größer war die Freude, dass die Behörde dem Antrag auf jagdrechtliche Befriedung endlich stattgab: »Darauf trinken wir einen Jägermeister!«

Mehr Informationen über Hof Butenland:
kuhaltersheim.org

Bild: axepe - Fotolia.com

Niedersachsen: Weitere jagdfreie Grundstücke

Ein Tierfreund und Jagdgegner hat für sein Grundstück in Bassum/Landkreis Diepholz einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung gestellt, weil darauf gejagt wurde.
Die Behörde hat mit Bescheid vom 17.4.2014 festgestellt, dass es bei dem Grundstück bereits um einen befriedeten Bezirk gemäß § 9 Abs. 1 Ziffer 2 Nieders. Jagdgesetz handle.

Der betreffende Jäger habe angegeben, das Grundstück versehentlich betreten zu haben.

Niedersachsen: Weitere Anträge auf Jagdverbot

47 Grundstückseigentümer haben bis November 2014 in Niedersachen einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung gestellt. Das teilte der Abteilungsleiter im niedersächsischen Agrarministerium, Dietrich Meyer-Ravenstein, im November 2014 auf der Mitgliederversammlung des Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer Niedersachsen mit.

Etliche Grundstückseigentümer zogen jedoch ihren Antrag zurück, weil die Gebühren für die jagdrechtliche Befriedung in Niedersachsen zu hoch waren.
Die rot-grüne Landesregierung hat angekündigt, die Gebühren für die Befriedung von Grundstücken aus ethischen Gründen zu senken.

Drei Anträge auf jagdrechtliche Befriedung haben die Behörden in Niedersachsen bis Ende 2014 offiziell bewilligt.

Antrag auf Jagdverbot im Naturschutzgebiet

Prof. Dr. Klaus Hamper besitzt etwa 24 Hektar in verschiedenen Flurstücken im und angrenzend zum Naturschutzgebiet „Obere Wümmeniederung“ im niedersächsischen Landkreis Harburg südlich von Hamburg. Als engagierter Tierschützer, der sich auch regelmäßig mit Leserbriefen und Offenen Briefen zu Wort meldet, lehnt er die Jagd ab.

Nach dem bahnbrechenden Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2012 stellte er sofort einen Eilantrag auf jagdrechtliche Befriedung seiner Grundstücke. Doch die zuständige Jagdbehörde will die Flächen erst mit dem Ablauf des Jagdpachtvertrags Mitte 2015 jagdfrei stellen. Immerhin haben die Jäger 2013 eine vorläufige Jagdverzichtserklärung abgegeben. Nun versucht Prof. Hamper mit seinem Rechtsanwalt, die Verzichtserklärung für die Jagd auf seinen Flächen zu verlängern und dann ab 2015 eine offizielle Befriedung zu erreichen.

Jutta Reichardt hat auf ihrem 6,5 Hektar

großen Grundstück in Steinburg/ Schleswig-Holstein ein Biotope für Tiere angelegt. · Bild: Jutta Reichardt

Seit 1.4.2014 darf hier nicht mehr gejagt werden.

Bild: Jutta Reichardt

Niedersachsen: Antrag im Landkreis Wittmund

Schuss durch die Scheibe des Wintergartens:

"Die Kugel hat mich nur um ca. einen halben Meter verfehlt!", berichtet Ede Rieken.

Elektromeister Ede Rieken ist Eigentümer eines Grundstücks im Landkreis Wittmund im Nordwesten von Niedersachsen. Nachdem im Dezember 2014 eine Kugel in die Scheibe seines Wintergartens einschlug und ihn nur knapp verfehlte, beantragte Ede Rieken den Austritt aus der Jagdgenossenschaft.

100 Meter hinter dem Grundstück steht ein Hochsitz auf einem Gemeindewaldweg. Der Grundstückseigentümer berichtet, dass am 11.12.2014 ein fremder Jäger bei Dunkelheit in die Wohnzimmerscheibe geschossen habe: »Die Kugel hat mich nur um ca. einen halben Meter verfehlt! Die Kripo Wittmund versucht noch immer, gegen den Täter zu ermitteln.«

Darum forderte der Elektromeister den örtlichen Bürgermeister auf, den Hochstand zu entfernen, weil er und seine Familie sich bedroht fühlen: »Es ist schon schlimm genug, dass vor unseren Augen das Wildtiere angefüttert und dann aus nächster Nähe getötet werden. Jetzt wird schon vor Menschen nicht einmal mehr Halt gemacht, es wird bei Dunkelheit in Richtung Wohnhäuser geschossen, die hell erleuchtet sind. Es muss ja nicht erst soweit kommen, dass wirklich jemand durch Schusswaffengebrauch verletzt oder getötet wird.« Der Bürgermeister habe sofort reagiert, berichtet Ede Rieken: Der Hochstand muss entfernt werden und am Waldrand darf auf dem Gemeindeweg nicht mehr gejagt werden.

Zeitgleich stellte der Grundstückseigentümer einige Schilder mit der Aufschrift »Keine Jagd auf meinem Grundstück!« auf.
»Ich möchte Mitstreiter ermutigen, sich gegen die Hobbyjäger zu wehren«, sagt der Elektromeister aus Moorweg in Niedersachsen.

Schleswig-Holstein:

Die ersten Grundstücke seit 1.4.2014 jagdfrei!

Seit Beginn des neuen Jagdjahres am 1.4.2014 sind auch in Schleswig-Holstein die ersten Grundstücke jagdfrei. Zu Beginn des Jahres 2014 hatten bereits über 20 Grundstückseigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt - und es werden immer mehr.

Das 6,5 Hektar große Grundstück von Jutta Reichardt in Neuendorf-Sachsenbande im Kreis Steinburg nördlich von Hamburg wird seit 1.4.2014 offiziell nicht mehr bejagt.
Das Hofgrundstück ist von einem großen Garten und vielen Anpflanzungen umgeben, daran schließt sich feuchtes Grünland an, wie es in der Küsten­region typisch ist. »Wir haben den Resthof 1994 gekauft und uns auf dem Land niedergelassen, um hier als Freiberufler in Ruhe leben und arbeiten zu können«, berichtet Jutta Reichardt. Die Tierfreunde und Vegetarier renaturierten das Grünland und schufen Biotope: »Wir legten Feldhecken und Gehölze mit Nahrungssträuchern für die Tiere an. Wir ließen einen Teich baggern mit Brutinseln für Wildgänse und Enten und für unsere tierischen Schützlinge.«

Die erste Begegnung mit den Jägern war für die Reichardts ein Schock: »Kurz vor Weihnachten 1995 standen plötzlich zum ersten Mal gut 20 bewaffnete Jäger plus ebenso viele Treiber, die sogar Kinder im Vorschulalter dabei hatten, auf unserem Land direkt hinter dem Hof und begannen wortlos, aber mit Vehemenz, alles, was Beine und Flügel hatte, vor sich her von unserem Hof weg zu treiben. Da die Tiere unseres Tierschutzbestandes solch einen Übergriff aus dem Nichts ebenso wenig erwartet hatten wie wir, herrschte das Chaos und die Angst. Wir riefen sofort die Polizei, in der Annahme, diese würde uns vor den Bewaffneten schützen. Wie naiv von uns - und so waren wir als unerfahrene Großstädter umgehend zur Lachnummer der Jagdgesellschaft geworden. Anschließend habe ich mich dann informiert und musste zu meinem Entsetzen feststellen, dass diese Übergriffe Bewaffneter zum Alltag zwangsbejagter Grundbesitzer gehören.«

In den letzten Jahren stellten sich die Jäger während der alljährlichen Treibjagd sogar rund um den Teich auf und schossen die Gänse vom Himmel - ihre Hunde jagten alles, was flugunfähig war - auch die Tierpfleglinge der Reichardts.

Vor einigen Jahren wurde Jutta Reichardt auf die Initiative Zwangsbejagung ade aufmerksam. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 2012 wandte sie sich an Rechtsanwalt Dominik Storr und stellte einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks. Zunächst sah es so aus, als würde den Reichardts die Befriedung ihres Grundstücks von den Behörden so schwer wie möglich gemacht: Es wurde mit einer Gewissensprüfung gedroht und Gebühren für die Bearbeitung des Antrags in Höhe von 2000 bis 4.000 Euro angekündigt. Doch dann kam es doch anders: Die Gewissensprüfung wurde trotz mehrfacher Ankündigung in diversen Zeitungsartikeln abgesagt und Ende März 2014 kam auf einmal der Bescheid, dass dem Antrag auf jagdrechtliche Befriedung stattgegeben wurde. Die Kosten: 250 Euro.

Eutin: Malerisches Grundstück jagdfrei

Familie Karcher besitzt ein malerisches Grundstück im schleswig-holsteinischen Eutin: Eine natürliche Wiese mit Streuobst, Erlenbruch und einem Teich. Ab 1.4.2015 sind die 1,6 Hektar offiziell jagdfrei.

»Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«, erzählt Adolf Karcher, ein pensionierter Richter. Das Grundstück hat vier Eigentümer: Ihn, seine Frau Ute und den Sohn mit Schwiegertochter. Vor über 15 Jahren hatte die Familie eine Wiese mit einem Erlenbruch erworben, um einen Lebensraum für verschiedene Tiere zu schaffen.

Ein Biotop für Hasen, Fasane, Reiher, Wasservögel, Rehe...

»Wir haben ein Biotop geschaffen, das eine große Attraktivität für viele Tiere hat: Entlang eines Wasserlaufs haben wir zehn Kopfweiden gepflanzt und eine Streuobstwiese angelegt«, berichtet der Naturfreund. »Auf unserem Grundstück beobachten wir Hasen, Fasane, Adler und Reiher. Wir haben einen Teich mit verschiedenen Uferzonen angelegt, der die Tiere anzieht: nicht nur die verschiedensten Wasservögel, auch Rehe und Wildschweine kommen zum Trinken. Die Jäger haben direkt vor unserem Teich einen Jagdsitz errichtet. Und das wollten wir nicht. Wir wollten nicht, dass die Jäger die Tiere schießen, für die wir ein Biotop geschaffen haben.«

»Wir haben schon lange versucht, unser Grundstück jagdfrei zu bekommen«

Gleich nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 haben die Karchers einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks gestellt. Denn das höchste europäische Gericht hatte entschieden, dass die Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft gegen die Menschenrechte verstößt, sofern der Grundeigentümer die Jagd aus ethischen Gründen ablehnt.

»Leider wurde das Urteil aus unserer Sicht in Deutschland nicht so umgesetzt, wie es der Europäische Gerichtshof vorgegeben hatte - und ich kenne mich aus, schließlich war ich Richter und auch mein Sohn ist Jurist«, erklärt Adolf Karcher. »Das Urteil war ganz eindeutig: Grundstückseigentümer, welche die Jagd auf ihrem Grundstück aus ethischen Gründen ablehen, müssen diese nicht länger dulden. Und zwar ohne jegliche Einschränkungen, Auflagen oder eine Gewissensprüfung.«

Mit der Jagdrechtsänderung befasste Politiker hatten sogar zugegeben, dass die gesetzlichen Regelungen Grundeigentümern den Austritt aus der Jagdgenossenschaft möglichst schwer machen sollen.

»Unser Beispiel soll anderen Grundstückseigentümern Mut machen«

Zwei Jahre musste Familie Karcher auf den Bescheid über ihren Antrag warten. Im Juni 2014 kam dann das Schreiben von der Behörde: Das Grundstück ist zum Ablauf des aktuellen Jagdjahres ab 1.4.2015 offiziell jagdfrei. Die Kosten: 100,- Euro. Jeder der vier Eigentümer musste 25 Euro bezahlen.

Jagdfreies Grundstück im Kreis Dithmarschen

Ab 1.4.2015 ist das Grundstück von Dieter Grade aus Dithmarschen offiziell jagdfrei. Der Naturschützer hat auf seiner 8259 Quadratmeter großen Wiese (ca. 1 Hektar) ein Biotop geschaffen, auf dem auch seltene Pflanzen wie wilde Orchideen wachsen. Dieter Grade kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, die Jagd auf seinem Grund und Boden zuzulassen.

»Seit vielen Jahren bin ich im Naturschutz tätig und habe immer wieder erlebt, dass Tiere durch die Jagd gequält wurden«. Schon vor vielen Jahren hatte er miterleben müssen, wie ein Jäger eine Falle, in der er ein Hermelin gefangen hatte, vor den Auspuff seines Autos hielt und so das Tier vergaste. »Noch heute werde ich immer wieder an diese grausame Art des Tiertötens erinnert, insbesondere, wenn ich wieder einmal eine der vielen Fallen finde«, so der Tier- und Naturfreund. »Und wenn ich bedenke, dass mein Grundstück für die in meinen Augen sehr oft tierquälerische Jagd genutzt wird, dann hätte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich das nicht zumindest dort unterbinden würde.«

Am 4.8.2014 erhielt Dieter Grade nach mehrfachem Nachhaken seines Anwalts den Bescheid über die jagdrechtliche Befriedung ab 1.4.2015.
Dieter Grade kritisiert, dass er im Antragsverfahren nicht nur für jedes einzelne seiner Grundstücke Grundbuchauszüge, Karten und Angaben vorlegen musste, sondern auch für die Grundstücke seiner Nachbarn.
Zudem ist die jagdrechtliche Befriedung seines Grundstücks mit einem Zugeständnis an die Jägerschaft verbunden: "In einer so genannten „Nebenbestimmung“ wurde mir auferlegt, in Fällen von Jagdschäden, die in dem Jagdbezirk zu verzeichnen sind (nicht auf meinem Grund und Boden!), die Kosten anteilig zu übernehmen. Das ist für mich umso unverständlicher, als die Jäger unerlaubterweise immer wieder schwache Tiere über den Winter füttern, um dann „festzustellen“, dass die immer größer werdende Zahl von Wildtieren diese Schäden verursachen. Dieser Nebenbestimmung werde ich nicht zustimmen und dieses gegebenenfalls gerichtlich klären lassen."

Dieter Grade hat den Verlauf seines Antragsverfahrens auf seiner Internetseite www.natur-in-not-dithmarschen.de ausführlich dokumentiert.

Auf seinem Grundstück in Dithmarschen

/ Schleswig-Holstein hat Dieter Grade ein kleines Naturparadies geschaffen. Der Naturschützer kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn auf seinem Grundstück Jäger Tiere töten. · Bilder: Dieter Grade

Schleswig-Holstein:

Über 20 Anträge auf jagdrechtliche Befriedung

In Schleswig-Holstein haben bis Mitte 2014 über 25 Grundstückseigentümer einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen gestellt - Tendenz steigend.

Antrag auf Jagdverbot: Kreis Rendsburg-Eckernförde

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein liegt ein Antrag auf Jagdverbot aus Gewissensgründen für 90 Hektar vor - die bisher größte Fläche in Schleswig-Holstein. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft befürchtet gegenüber der Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung (19.3.2014) erhebliche Auswirkungen, sollte die zusammenhängende Fläche von 90 Hektar nicht mehr bejagt werden: »Das geänderte Gesetz kann das gesamte Jagdwesen auf den Kopf stellen«.

Hamburg:

Erster Antrag auf jagdrechtliche Befriedung

»Keine Jagd auf meinem Grundstück!«, titelt das Hamburger Abendblatt und berichtet von einem Grundbesitzer aus Hamburg-Neuengamme, der einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung seines Grundstücks aus ethischen Gründen gestellt hat.

»Ich habe das Grundstück vor 21 Jahren gekauft, bin wegen der schönen Natur nach Neuengamme gezogen«, zitiert die Bergedorfer Zeitung den Senior und schreibt, dass der Hundehalter den Antrag auf Befriedung der Fläche »aus ethischen Gründen« gestellt habe. Er sei eben ein großer Tierfreund. Noch sei über den Antrag nicht entschieden worden. (Hamburger Abendblatt, 12.3.2014, Bergedorfer Zeitung, 11.3.2014)

Bereits 2014 wurden erste Grundstücke

in Mittelwestfalen, im Münsterland, in Minden und im Kreis Coesfeld von den Behörden jagdrechtlich befriedet. Der Ökologe Dr. Karl-Heinz Loske hat auf seinem Grundstück in der mittelwestfälischen Hellwegbörde auf einer ehemals ausgeräumten Ackerfläche ein Biotop für Wildtiere geschaffen: Eigenhändig legte er Hecken, Wälder, Streuobstwiesen und Teiche an. Doch zweimal im Jahr musste die Familie machtlos mit ansehen, wie Jäger bei Treibjagden hier die letzten Hasen und Fasane sowie Rehe und Ringeltauben abknallten. · Bild: Dr. Karl-Heinz Loske

Nordrhein-Westfalen: Grundstücke im

Kreis Soest seit 1.4.2014 offiziell jagdfrei

Sofort nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 26.6.2012 stellte der Biologe und Ökologe Dr. Karl-Heinz Loske einen Antrag auf Befriedung seiner Grundstücke. Seit 1.4.2014 sind 2,2 Hektar in der mittelwestfälischen Hellwegbörde (Geseke, Kreis Soest) offiziell jagdrechtlich befriedet.

Dr. Karl-Heinz Loske ist freiberuflicher, vereidigter und öffentlich bestellter Umweltsachverständiger und lebt seit 1987 mit seiner Familie in Geseke. Nach Erwerb von über 2 Hektar ausgeräumter Ackerfläche legte der Ökologe eigenhändig Wiesen, Wälder, Obstwiesen und Teiche an. Es wurde ein schutzwürdiger, artenreicher Lebensraum für Wildtiere geschaffen, der wie eine Insel in ausgeräumter Ackerbörde liegt und zahlreiche seltene Arten anzieht.

Schon früh gab es um dieses Biotop heftige Konflikte, da die Jäger trotz eindeutiger Gegenwehr der Familie Loske zweimal jährlich eine Treibjagd abhielten und dabei insbesondere Hasen und Fasanen schossen. Hinzu kamen zahlreiche Zusatzjagden auf Ringeltauben und Rehe. Selbst durch den umzäunten, hofnahen Garten stapften die Waidmänner, um hier demonstrativ und vor den Augen der machtlosen Familie die letzten Fasane aufzuscheuchen und abzuschießen.

Nicht zuletzt dieser alljährliche Ärger und die Ohnmacht, tatenlos zusehen zu müssen, wie zutrauliche, friedliche Wildtiere auf eigenem Grund erschossen wurden, inspirierten Dr. Loske zu seinem 2006 erschienenen Buch »Von der Jagd und den Jägern«, in dem er sich eingehend mit den wahren Motiven und Leidenschaften der Jäger auseinandersetzt. Die wichtigste These des Experten darin: Die Hobbyjagd ist aus ökologischer Sicht entbehrlich und eine Natur ohne Jagd ist in Deutschland problemlos möglich.

Auf seinem jagdfreien Grundstück kann sich nun endlich der vielfältige, selbst geschaffene Lebensraum ohne Störungen entwickeln und Wildtieren in einer lebensfeindlichen Agrarlandschaft einen wichtigen Rückzugsraum bieten.

Nordrhein-Westfalen:

André Hölscher freut sich,

dass auf seinem Grundstück im Münsterland endlich nicht mehr gejagt werden darf. Bild: André Hölscher

10 Hektar im Münsterland seit 1.4.2014 jagdfrei!

Auch André Hölscher hat es geschafft: Seine beiden landwirtschaftlichen Grundstücke im Münsterland mit insgesamt 10 Hektar Fläche sind mit Beginn des neuen Jagdjahres am 1.4.2014 jagdfrei. Der 39-Jährige ist als Comedian alias »Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp« bekannt. Presse und Fernsehen haben immer wieder über sein Engagement gegen die Jagd auf seinem Grundstück berichtet.

In den vergangenen Jahren gab es zwischen dem Grundeigentümer und dem Jagdpächter immer wieder Auseinandersetzungen bei Treibjagden. Die Partnerin des Ladbergers wurde sogar auf dem Balkon sitzend von Schrot getroffen.

m Herbst 2012 berichteten das WDR-Fernsehen und die Westfälischen Nachrichten von einer polizeilich angemeldeten Demonstration des unfreiwilligen Jagdgenossen. Er stellte sich während einer Treibjagd mit einem Schild in der Hand »Keine Jagd auf meinem Grundstück« mitten auf seine eigene Wiese. Vor den Augen der Journalisten musste die Jagdgesellschaft abziehen - ohne dass ein Schuss fiel.

»Gleich nach Bekanntwerden des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) im Sommer 2012 hatte ich den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung meiner Flächen gestellt. Aufgrund der Bindung an die deutsche Gesetzesgebung teilte mir die Behörde damals mit, derzeit nicht über mein Anliegen entscheiden zu können, den Antrag aber zurückzustellen.«

Als das Urteil aus Straßbourg in das Bundesjagdgesetz eingeflossen war, ging alles ganz schnell. »Ich musste meine Gewissensgründe schriftlich darlegen, parallel wurden im Beteiligungsverfahren die Träger öffentlicher Belange, wie Forstbehörde, Landwirtschaftskammer, Jagdgenossenschaft und Jagdpächter angehört, dann erhielt ich umgehend den entsprechenden Bescheid.«

Am 7. März 2014 erhielt der 39-jährige Ladberger den Bescheid der unteren Jagdbehörde des Kreises Steinfurt. In ihrem Schreiben attestiert die Behörde dem Antragsteller, seine Gewissengründe gegen den Jagdbetrieb auf seinem Grundstück glaubhaft dargelegt zu haben. Die Behörde hat die Grundstücke noch vor Ablauf des Jagdpachtvertrages, der noch bis 2018 läuft, zum Ende des Jagdjahres am 31.3.2014 jagdfrei gestellt. Dazu erfolgt die Befriedung ohne weitere Beschränkungen. Die Kosten belaufen sich laut
Bescheid nur auf 115,- Euro.

»Ich bin überglücklich und erleichtert, dass meine Grundstücke jagdfrei sind«, sagt André Hölscher.

Bild: André Hölscher

Auch die 2 Hektar Grundstück von Frank Schlimbach

in der Pfalz sind seit 1.4.2014 jagdrechtlich befriedet. · Bild: Frank Schlimbach

Auf dem See des Grundeigentümers

wurden im Juli 2013 zwölf Wildenten aus einer Zucht, denen ein Flügel angeschnitten worden war, als Lockvögel ausgesetzt. Bild: André Hölscher

Noch am 27. Februar 2014 haben sich André Hölscher und der Jagdpächter vor dem Amtsgericht in Münster getroffen. Der Grundstückseigentümer hatte den Jäger angezeigt. Der Vorwurf: Er habe im Juli vergangenen Jahres 12 Wildenten aus einer Zucht, denen ein Flügel angeschnitten worden war, auf dem See des Grundstückseigentümers als Lockvögel ausgesetzt. Das Gericht konnte nicht klären, ob der Jagdpächter selbst die Flügel angeschnitten hatte, sah es aber als erwiesen an, dass er hierfür verantwortlich war und bestätigte ein Ordnungsgeld des Kreises Steinfurt von EUR 500,-- (siehe Original-Foto)

»Mein Grundstück ist klein,

aber mir ging es ums Prinzip«, sagt Detlef Korsawe. Er besitzt eine Grünfläche beim Naturschutzgebiet Desenberg (rechts im Bild). Auf seinem Grund und Boden soll nicht auf Tiere geschossen werden. · Bild: Detlef Korsawe

Nordrhein-Westfalen: Kreis Höxter

Detlef Korsawe freut sich über sein jagdfreies Grundstück im Kreis Höxter beim Naturschutzgebiet Desenberg in der Nähe von Warburg: Mit Ende des laufenden Jagdjahres zum 1.4.2015 ist sein Viertelhektar Land offiziell jagdrechtlich befriedet!

»Das Grundstück ist natürlich sehr klein, aber mir ging es ums Prinzip. Und jede Reise beginnt mit einem kleinen Schritt...«, berichtet der Tier- und Naturfreund. Er besitzt eine Grünfläche unterhalb des Desenbergs.

Den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung hatte er schon Mitte 2013 gestellt, wurde aber vertröstet, weil das neue Jagdgesetz noch nicht verabschiedet war. »Im Dezember 2013 wurde ich von der Jagdbehörde angeschrieben und gebeten, meine Beweggründe für die jagdrechtliche Befriedung zu nennen. Das habe ich Ende Dezember getan. Als ich mich jetzt, nach 6 Monaten Bearbeitungszeit, nach dem Stand der Dinge erkundigt habe, wurde mir mitgeteilt, dass meinem Antrag stattgegeben wurde.«

Detlef Korsawe will auch anderen Grundstückseigentümern Mut machen: »Ohne die zahlreichen Informationen der Bürgerinitiative »Zwangsbejagung ade« hätte ich den Antrag nicht gestellt oder vielleicht weniger Argumente gehabt.«

Nordrhein-Westfalen: Wald jagdfrei!

Für Gerald Zöphel ist es nicht vertretbar, dass Tiere im Rahmen der Jagdausübung getötet werden. Er kann nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, dass für die Tötung von Tieren ausgerechnet sein Grundstück zur Verfügung gestellt werden soll. Seit 1.4.2014 ist sein 1,7 Hektar großes Waldgrundstück im Kreis Minden-Lübbecke (Nordrhein-Westfalen) offiziell jagdrechtlich befriedet. Die Kosten: 115 Euro.

Eineinhalb Jahre hatte der Tier- und Naturfreund warten müssen, bis die Behörde seinem Antrag stattgab und sein Waldgrundstück befriedete.
Nun möchte er auch anderen Grundstückseigentümern Mut machen: "Rechtsanwalt Dominik Storr hat mich durch seine hervorragende Arbeit bestens vertreten, herzlichen Dank dafür. Viele Grüße an alle Jagdgegner. Bitte macht weiter!"


Weiteres Grundstück im Kreis Heinsberg jagdfrei

Im Landkreis Heinsberg im Westen von Nordrhein-Westfalen wurde das Grundstück eines Tierfreunds rückwirkend zum 1.4.2014 befriedet - vorläufig bis zum 31.3.2017.

NRW: Grundstücke in Viersen seit 1.4.15 jagdfrei

Dieter Paul freut sich, dass seine Grundstücke in Viersen und Nettetal seit 1.4.2015 dauerhaft befriedet wurden. „Ich finde es unverantwortlich, dass Jäger auf meinem und anderen Grundstücken töten dürfen“, begründet Dieter Paul seinen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung, dem die zuständige Jagdbehörde innerhalb eines Jahres stattgegeben hat.

„Der Entscheidungsprozess der Behörde hat trotz einer aktiven Jägerin als zuständige Beamtin weniger als ein Jahr gedauert", erklärt der Bauleiter. "Was mich ärgert, sind die hohen Kosten für einen Ausstieg aus einer Zwangsmitgliedschaft, der ich nie beitreten wollte. Es ist aber so, dass die Jäger eine wahnsinnige Macht haben, um Ihr unsinniges Treiben weiter ausführen zu können. Egal, Hauptsache die Tiere dürfen jetzt bei mir nicht mehr geschossen werden. Hoffentlich schließen sich noch viele Grundstücksbesitzer dem Ausstieg aus den Jagdgenossenschaften an.“

Grundstück in Mönchengladbach jagdfrei

Obwohl die Jagdgenossenschaft die Stadt verklagen wollte: Eine tierliebende Familie hat erfolgreich durchgesetzt, dass auf ihrem 2585 m2 großen Grundstück in Zukunft kein Tier mehr von Jägern erschossen wird.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte am 26.6.2012 entschieden, dass Grundstückseigentümer keine Jagd dulden müssen.

»Ich bin selbst Vegetarierin, und wir möchten nicht, dass auf unserem Land Tiere getötet werden«, wird die Mutter von der Westdeutschen Zeitung am 18.3.2014 zitiert.
Und die Rheinische Post zitiert am 14.3.2015 wie folgt: »Wir waren schon immer Jagdgegner: Wenn man von den Expansionsgeschossen hört, die bei Tieren faustgroße Austrittslöcher verursachen, aber dennoch nicht zum sofortigen Tod führen müssen... Tiere, die angeschossen flüchten und nicht sofort gefunden werden, erleiden unfassbare Qualen.«

Darum beantragten die Tierschützer aus Gewissensgründen bei der zuständigen unteren Jagdbehörde, die bei der Stadt angesiedelt ist, die jagdrechtliche Befriedung ihres Grundstücks. Es begann ein umfangreiches Verfahren, bei dem der Familie auf den Zahn gefühlt wurde, die Jagdgenossenschaft, die beiden Jagdpächter und die angrenzenden Grundeigentümer angehört wurden sowie Stellungnahmen vom Waldbauernverband, Landwirtschaftskammer, Landesbüro der Naturschutzverbände, Landesbetrieb Wald und Holz, Gemeindewaldbesitzerverband und Landesjagdverband eingeholt wurden.
Schließlich hat die Stadt Mönchengladbach die Ackerfläche im März 2015 offiziell jagdrechtlich befriedet.

Doch damit nicht genug: Die Jagdgenossenschaft wollte die Befriedung nicht hinnehmen, zweifelte die »ethischen Gründe« der Familie an und verklagte die die Stadt! Die Jäger wollten verhindern, dass das Jagdrevier zu einem »Flickenteppich« wird.

Am 18.3.2015 fand der Prozess vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf statt. Die Rheinische Post berichtet am 19.3.2015, dass der Richter deutlich gemacht habe, dass das Verwaltungsgericht die Gewissensgründe, die die Familie anführe, nicht überprüfen werde. Die Jagdgenossenschaft könne nur Einwände gegen die Befriedung geltend machen, die die Ausübung der Jagd betreffen. Daraufhin zog die Jagdgenossenschaft ihre Klage zurück.
Das Verfahren wurde eingestellt.

Nordrhein-Westfalen:

Immer mehr Anträge auf Ruhen der Jagd

Allein im Kreis Wesel in Nordrhein-Westfalen gibt es bereits 15 Anträge auf Ruhen der Jagd. Auch in Ostwestfalen-Lippe, den Kreisen und der Stadt Bielefeld sind bei den unteren Jagdbehörden mehrere Anträge und Anfragen von Grundbesitzern eingegangen, die auf ihren Flächen die Jagd nicht mehr dulden wollen und sich auf das Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vom 26.6.2012 berufen.

Auch die Ehepaare Kleinmanns und Kalisch aus Issum im Kreis Kleve wollen die Jagd auf ihren Grundstücken, die zusammen etwa zwölf Hektar umfassen, in Zukunft nicht mehr hinnehmen.
Franz-Josef Kleinmanns (46) lebt mit seiner Familie auf dem Bauernhof seiner Eltern, auf dem er aufgewachsen ist. Die jährlichen Treibjagden gehörten für ihn seit seiner Kindheit zum Landleben dazu. »Mit zunehmendem Alter stellte sich immer öfter dieses eigenartige Gefühl bei mir ein, dass das nicht richtig ist«, berichtet er. »Plötzlich, ohne Ankündigung tauchen die Jäger an unserem Hof und auf unseren Äckern auf und postieren sich mit ihren Waffen. Dann laufen johlend und grölend die Treiber übers Feld und durch den Wald und scheuchen alles Leben auf und den Jägern direkt vor die Gewehrläufe.«


Vor einigen Jahren dann vermisste seine Mutter eine Katze. »Kurz darauf kam sie aufgeregt zu mir und berichtete mir von einer schweren Eisenschlagfalle in einem benachbarten Waldstück. In der Schlagfalle fanden wir schließlich die vermisste Katze... geköpft!« Auch um den Hund musste sich die Familie Sorgen machen: »Bei einer Begegnung mit dem Jagdaufseher auf unserem Grundstück entgegnete mir der Aufseher, ich solle auf meinen Hund achten, sonst müsse er ihn erschießen.«

Den Ausschlag, das Thema Jagd intensiv zu hinterfragen, gab eine Treibjagd im Herbst 2011: Die Treiber bildeten eine lange Kette und liefen über das Gelände auf den Hof zu. »Ungefähr 15 bis 20 Meter vor unserem Hof blieb ein Treiber plötzlich stehen, ging ein paar Schritte zurück und warf einen Holzknüppel mit voller Wucht auf einen Hasen, der sich im Gras geduckt hatte. Dieser sprang auf und rannte direkt in das Gewehrfeuer der Jäger, wo er tot liegen blieb.« Am Abendbrottisch war dieses Erlebnis das Gesprächsthema. »Meine beiden Kinder wollten eine Erklärung für diese Treibjagd... ich hatte und habe keine sinnvolle! Eine Frage meiner Kinder klingelt noch ganz besonders in meinen Ohren: Papa, der Acker, auf dem die Jäger die Tiere erschossen haben, gehört doch dir. Hast Du das erlaubt!?« - Dieses Erlebnis direkt vor meinen Augen und die Gedanken, dass ich dieses Spaßtöten vor meinen Augen und auf meinem Eigentum nicht unterbunden habe, haben mich nicht losgelassen. Daher habe ich den Antrag auf Befriedung gestellt.«
Das Verfahren dazu läuft beim Kreis Kleve zur Zeit noch.

Jost und Lydia Kalisch nennen in ihrem Antrag unter anderem folgende ethische Gründe: »Eigentum zu erwerben und zu besitzen, bedeutet für uns die moralische Pflicht und das Recht, verantwortungsvoll Lebensräume zu schützen... Das Erlebnis der ersten augenscheinlichen Jagd über unsere Grundstücke bleibt für uns bis heute traumatisierend... Wir glauben an das Recht auf Leben für jede Kreatur, die Gott erschaffen hat.« (Rheinische Post, 4.1.2014)

Die Familien Kleinmanns und Kalisch haben Schilder aufgestellt: »Jagdverbot (Privatgrundstück). Das Betreten ist Jägern, Jagdgesellschaften und deren Helfern strengstens verboten. Artikel 1 EMRK.«

NRW: Waldbesitzer will Jagd verbieten lassen

Waldbesitzer Alexander von Spiegel aus Bielefeld-Senne in Nordrhein-Westfalen will die Jagd auf seinem Grundstück verbieten lassen. Er beruft sich auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012: Es verstößt gegen den in der Menschenrechtskonvention garantierten Schutz des Eigentums, wenn Grundstückseigentümer zwangsweise Mitglied in einer Jagdgenossenschaft sind und damit die Jagd auf ihrem Grund und Boden gegen ihren Willen dulden müssen.

Alexander von Spiegel, der aus einer Jägerfamilie stammt und aus Tradition den Jagdschein gemacht hat, sagt in einem Interview mit der Neuen Westfälischen vom 13.1.2015: „Ich lehne die Jagd inzwischen ab, weil sie mein ethisches Empfinden erheblich beeinträchtigt. Durch die Jagd werden die Wildtiere unnötig erschreckt und aufgescheucht.“ Der Waldbesitzer hält die Jagd für überflüssig und sogar störend für das Gleichgewicht in der Natur: Je mehr Tiere geschossen würden, desto mehr würden geboren. „Dass die Selbstregulierung funktioniert, wird in etlichen Nationalparks deutlich“, sagt er.

Hessen: Grundstück in Morschen ab 1.4.15 jagdfrei

Die Grundstücke von Jörg Hanstein in Morschen (Schwalm-Eder-Kreis) sind seit 1.4.2015 jagdfrei! Dies ist die erste offizielle jagdrechtliche Befriedung in Hessen.

»Ich lebe seit über 10 Jahre vegetarisch«, sagt der 42-jährige Tierfreund zu seinen Beweggründen. »Ich achte jedes Leben, auch und gerade das der Wildtiere, da diese keine Lobby haben und den Jägern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Ich denke, wir haben keinen Grund und auch kein Recht als Menschen, Tiere zu töten.« Der Krankengymnast kann es also nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, dass auf seinem Grundstück Jagd auf Tiere gemacht.

Nachdem die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine am 29.3.2014 unter der Überschrift »Er will das Töten verbieten« ausführlich über den ersten Antrag auf jagdrechtliche Befriedung eines Grundstücks in Hessen berichtetet hatte, erhielt der Tierfreund etliche Rückmeldungen und Anrufe auch von fremden Menschen, die ihm zu dem Mut gratulierten, endlich dieses Thema öffentlich zu machen.

Mit dem Titel »Er will das Töten verbieten«

berichtete die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine über den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung eines Grundstücks in Hessen. · Bild: Hessisch-Niedersächsische Allgemeine vom 29.3.2014

Rheinland Pfalz: Waldgrundstücke jagdfrei

Er war der erste Deutsche, der gegen die Jagd auf seinem Grundstück vor der dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagte - und gewann: Auf den beiden Waldgrundstücken von Rechtsanwalt Günter Herrmann in Rheinland-Pfalz darf seit dem 26.6.2012 nicht mehr gejagt werden.

Der Tierfreund kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, wenn Jäger sein Grundstück gegen seinen Willen betreten, um dort Tiere zu töten. Als Eigentümer zweier Waldgrundstücke in Rheinland-Pfalz war er automatisch Mitglied in einer Jagdgenossenschaft. Hiergegen hatte er vor den deutschen Verwaltungsgerichten und vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt - ohne Erfolg. 2007 rief er den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an. Denn dieser hatte bereits 1999 im Fall von Frankreich und 2007 im Fall von Luxemburg entschieden, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn Grundstückseigentümer dazu verpflichtet werden, einer Jagdgenossenschaft zwangsweise beizutreten und die Jagd auf ihren Grundstücken zu dulden, obwohl die Jagd ihrer eigenen Überzeugung widerspricht. (Urteil in der Rechtssache Chassagnou und andere gegen Frankreich vom 29.4.1999 · Urteil in der Rechtssache Schneider gegen Luxemburg vom 10.6.2007)

Am 26.6.2012 verkündete der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Urteil der Großen Kammer im Fall Herrmann gegen die Bundesrepublik Deutschland (Beschwerdenummer 9300/07). Der Europäische Gerichtshof stellte eine Verletzung von Artikel 1 Protokoll Nr. 1 (Schutz des Eigentums) zur Europäischen Menschenrechtskonvention fest, wenn ein Grundstückseigentümer die Jagd auf seinem Land dulden muss, obwohl er sie aus ethischen Gründen ablehnt. Der Gerichtshof befand insbesondere, dass diese Verpflichtung Grundstücksbesitzern in Deutschland, welche die Jagd ablehnen, eine unverhältnismäßige Belastung auferlegt.

Rheinl. Pfalz: Jagdfreies Grundstück in Pirmasens

Familie Scholvien protestiert bereits seit Jahren gegen die Zwangsbejagung ihrer Grundstücke in Nünschweiler (Landkreis Pirmansens), insbesondere gegen die Errichtung eines Hochsitzes. Dafür zogen sie sogar vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser stellte in seiner Entscheidung vom 15.11.2013 in der Sache Scholvien et al gegen die Bundesrepublik Deutschland (Beschwerdenummer 13166/08) erneut fest, dass die Zwangsbejagung von Grundstücken ethischer Jagdgegner gegen die Europäische Konvention für Menschenrechte verstößt.

Unter Berufung auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 1999 im Falle französischer Kläger, die gegen die Zwangsbejagung ihrer Grundstücke geklagt hatten, hatten die Scholviens die deutschen Gerichte angerufen: Die vegan lebenden Tierfreunde konnten es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass Jäger auf ihrem Grundstück Tiere tot schossen. Nachdem alle deutschen Gerichte bis zum Bundesverfassungsgericht die Klage zurückgewiesen hatten, reichte Familie Scholvien bereits im Jahr 2008 Beschwerde beim EGMR ein. Am 15.11.2013 stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte eine Verletzung der Menschenrechte fest und verurteilte die Bundesrepublik Deutschland zur Zahlung einer Entschädigung.

Familie Scholvien will die Jagd

auf ihrem Grundstück nicht hinnehmen und hat eine »Bank des Friedens zwischen Mensch und Tier« aufgestellt. Der Hochsitz wurde vom neuen Jagdpächter inzwischen demontiert. Für ein Jagd­verbot auf ihrem Grundstück zog die vegan lebende Familie bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. · Bild: Carsten Scholvien

Rheinland Pfalz: 25 Hektar in Hohenöllen

und 2 Hektar in Kusel seit 1.4.2014 jagdfrei!

Das gut 25 Hektar große Grundstück von Margot Scheibe in Hohenöllen-Sulzhof ist seit dem 1. April 2014 jagdfrei. Auch von weiteren Grundstückseigentümern aus Rheinland-Pfalz wurden die Flächen von der Behörde jagdrechtlich befriedet: Frank Schlimbach aus Kusel freut sich, dass sein zwei Hektar großes Grundstück in der Pfalz jetzt jagdrechtlich befriedet ist.

Margot Scheibe, die vor Jahrzehnten selbst Jägerin gewesen war, ist seit vielen Jahren überzeugte Vegetarierin und Tierschützerin. Mit ihrem gut 25 Hektar großen Grundstück war sie automatisch und gegen ihren Willen Mitglied in der Jagdgenossenschaft. Das Grundstück ist ein kleines Paradies mit viel Wald, umgeben von einem 50 Jahre alten und insgesamt 5 km langen Zaun, der kein Wildtier davon abhält, hinein- oder herauszuschlüpfen. Sehr zum Unmut der Jäger, welche bei Treibjagden verhindern wollten, dass sich die Tiere hinter den Zaun flüchten. Sogar ein Loch wurde in den Zaun geschnitten.

Margot Scheibe wollte nicht länger hinnehmen müssen, dass Jäger ihr Grundstück betreten und dort Tiere tot schießen. Sie stellte einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung ihrer Flächen und berief sich dabei auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012. Mit Bescheid vom 3.3.2014 hat die untere Jagdbehörde dem Antrag von Margot Scheibe stattgegeben - trotz massiven Widerstands der Jägerschaft und ihren zahlreichen Einsprüchen während der öffentlichen Anhörung im Rahmen des Verwaltungsverfahrens. Allerdings wurde von Seiten der Jäger nun Widerspruch eingelegt.

Die 25 Hektar Grundstück mit viel Wald

von Frau Scheibe in Hohenöllen-Sulzhof / Rheinland-Pfalz sind seit 1.4.2014 offiziell jagdfrei. Möglich machte dies ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. · Bild: Frank Schlimbach

Auch die 2 Hektar Grundstück von Frank Schlimbach

in der Pfalz sind seit 1.4.2014 jagdrechtlich befriedet. · Bild: Frank Schlimbach

Rheinland-Pfalz:

Bio-Weingut Gänz seit 1.4.2015 jagdfrei!

Seit 1.4.2015 sind die Weinberge und Wiesen des Bio-Weinguts Gänz in Hackenheim (Rheinland-Pfalz) offiziell jagdfrei! Die Winzerfamilie Gänz ist erleichtert und überglücklich, dass in ihren Weinbergen und auf den Streuobstwiesen keine Tiere mehr von Jägern tot geschossen werden. Ganze 5 Jahre hatten sie warten müssen, bis die Behörden ihrem Antrag endlich stattgaben.

Das Weingut Gänz aus Hackenheim in Rheinland-Pfalz

bewirtschaftet seine Weinberge, Äcker und Streuobstwiesen nach den Richtlinien des ökologischen Anbaus. · Bild: Weingut Gänz · www.endlich-jagdfrei.de

»Auf meinen Grundstücken soll das Leben von Wildtieren geachtet werden. Deshalb ist es mit meiner Vorstellung von einem Leben mit der Natur nicht vereinbar, dass auf meinem Grund und Boden auf grausame Weise das Blut von Wildtieren vergossen wird«, erklärt Albert Gänz, der Eigentümer des Weinguts. »Viele Wildtiere sterben durch die Jagd einen qualvollen Tod. Familienverbände werden zerrüttet und wertvolle Sozialstrukturen zerstört. Auch wenn es gerne abgestritten wird, werden viele Tiere aus Spaß oder als Freizeitvergnügen getötet und sterben einen unnötigen Tod.«

Familie Gänz sieht in der Jagdruhe auf ihren Flächen zudem einen Gewinn für die Allgemeinheit, den Natur- und Artenschutz: Ruhezonen, in denen Wildtiere nicht dem ununterbrochenen Jagddruck ausgesetzt sind, gebe es in Deutschland noch viel zu wenige.

Bereits 2010 hatte das Bio-Weingut Gänz bei der zuständigen Behörde einen Antrag gestellt, aus ethischen Gründen von der Zwangsbejagung der eigenen Flächen befreit zu werden. Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012 stellte der Inhaber des Weinguts und Biohotels Gänz aus Hackenheim einen Eilantrag, um die Grundstücke vorläufig jagdfrei zu stellen, bis in Deutschland eine Jagdgesetzänderung in Kraft wäre. Doch das Verwaltungsgericht Koblenz wies den Eilantrag mit Beschluss vom 17.04.2013 zurück. Die Winzerfamilie legte Beschwerde ein, die jedoch ebenfalls zurückgewiesen wurde.

Nach fünf Jahren hatte der Antrag auf jagdrechtliche Befriedung endlich Erfolg: Mit Bescheid vom 25.03.2015 hat die Kreisverwaltung Bad Kreuznach einen Großteil der Flächen der Bioweingutes Gänz mit Wirkung zum 01.04.2015 - zunächst befristet auf drei Jahre - für befriedet erklärt.

Weitere Informationen:
Weingut und Bio-Hotel Gänz www.gaenz.com

Die Weinberge sind ein wunderbarer Lebensraum

nicht nur für Vögel und Schmetterlinge, sondern auch für Füchse, Marder, Gartenschläfer, Rehe und Wildschweine. · Bild: Bio-Weingut Gänz · www.gaenz.com

Die Bio-Winzerfamilie ist davon überzeugt,

dass auch die Wildtiere in unserer Natur einen Anspruch auf Leben haben. · Bild: jcfcreastyle - Fotolia.com

Anträge auf Ruhen der Jagd im Saarland

Auch im Saarland wollen Tier- und Naturfreunde die Jagd auf ihrem Grundstücken verbieten. So hat ein Privatwaldbesitzer im Nordsaarland einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung gestellt.

Der Waldbesitzer beruft sich auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 26.6.2012. Ein entsprechender Antrag liege der Vereinigung der Jäger des Saarlandes vor. (sol.de am 13.10.2012)

Sachsen-Anhalt: Erstes Grundstück jagdfrei!

In Sachsen-Anhalt ist das erste Grundstück seit 1.4.2015 offiziell jagdfrei! Damit kam die zuständige Jagdbehörde einer anhängigen Beschwerde beim Bundesverfassunggericht zuvor: Der Landkreis Harz gab dem Antrag auf Befriedung der beiden Grundstücke von Ludwig Weyhe im Landkreis Quedlinburg aus ethischen Gründen mit Bescheid vom 28.8.2014 statt. Die Kosten: 450 Euro. Ganze 12 Jahre hatte der Tier- und Naturfreund warten müssen.

Bereits am 11.11.2002 stellte Ludwig Weyhe einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung seiner beiden Grundstücke. Nach dem Weg durch die Instanzen legte er am 17.3.2008 Verfassungsbeschwerde ein.

Im Sinne seiner Lebensphilosophie als Tier- und Naturschützer hat er auf seinen Flächen ein Biotop geschaffen, um wild lebenden Tieren ein Rückzugsgebiet zu geben. Durch Renaturierungsmaßnahmen wie die Anlage von Hecken ist auf den Flächen ein aus Naturschutzsicht wertvolles, ursprüngliches Brachland entstanden.

Ganze 12 Jahre musste der Tier- und Naturfreund

Ludwig Weyhe warten, bis sein Grundstück endlich jadfrei wurde: Bereits am 11.11.2002 hatte Ludwig Weyhe bei der zuständigen unteren Jagdbehörde beantragt, seine Flächen für jagdrechtlich befriedet zu erklären.

Brandenburg und Thüringen:

Anträge von Grundstückseigentümern

Auch in Brandenburg und Thüringen beantragen immer mehr Grundstückseigentümer, dass auf ihren Flächen nicht mehr gejagt wird.

Unter der Überschrift »Stoppschilder für Jäger« berichtete die Märkische Oderzeitung von zwei Waldeigentümern in Brandenburg, die bereits im Herbst 2012 das Ruhen der Jagd auf ihren Flächen beantragt haben - inzwischen sind es mehr geworden. Im Landkreis Oberhavel liegen einige Anträge vor, auch im Landkreis Oder-Spree habe es schon mehrere Anfragen gegeben. (Märkische Oderzeitung, 4.4.2013)

Der MDR berichtete über Wald- und Flurbesitzer aus Thüringen, die ein Jagdverbot auf ihren Grundstücken beantragt haben. (MDR Thüringen, 11.3.2013)

Wildtiere brauchen Ruhezonen

Entgegen der von den Jagdverbänden verbreiteten Befürchtungen werde es laut Wildtierschutz Deutschland aufgrund der jagdlichen Befriedung vieler kleinerer Grundstücke. »Das Argument höherer Wildschäden war von Anfang vorgeschoben, wohl auch um Gesetzgeber und Behörden hinsichtlich Ihrer Handlungen im Sinne der Jagd zu beeinflussen«, erläutert Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland.

Unmissverständlich erklärte der renommierte Zoologe Prof. Dr. Josef Reichholf im Bayerischen Fernsehen, das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte sei längst überfällig: »Für das Wild ist das Urteil gut, weil es da und dort Ruhezonen schafft, die das Wild bei uns dringend braucht.« Ruhezonen könnten die gefürchteten Wildschäden vermindern: »Weniger Jagddruck, mehr Ruhezone bedeutet für das Wild weniger Energieausgabe. Also muss es weniger Nahrung zu sich nehmen, weil es weniger herumwandern muss.« (»Unser Land« vom 16.11.2012)

In seinem Grundsatzartikel »Warum Jagd? Folgen des Jagens für Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften« der Zeitschrift TIERethik (2-2013) legt Prof. Dr. Josef H. Reichholf überzeugend dar, weshalb die Regulation von frei lebenden Tierbeständen durch die Jagd nicht funktioniert und auch nicht nötig ist. Vor dem Hintergrund des Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2012 mit seinen Folgen für das Revierjagdsystem stellt der Zoologe in aller Deutlichkeit fest, dass Jagd in der Kulturlandschaft aus ökologischen Gründen nicht sein muss. Der dichtbesiedelte Kanton Genf (Jagdverbot seit 40 Jahren) und der Schweizerische Nationalpark (Jagdverbot seit 100 Jahren) beweisen laut Reichholf, dass weder im Siedlungsraum der Menschen noch in besonders naturnahen Naturschutzgebieten eine Kontrolle der Bestände durch die Jagd notwendig ist.

Immer mehr Grundstückseigentümer

stellen den Antrag auf jagdrechtliche Befriedung bei der unteren Jagdbehörde. · Bild: j. gruau - Fotolia.com

Austritt aus der Jagdgenossenschaft

Wenn auch Sie die Jagd auf ihrem Grundstück nicht länger dulden wollen, können Sie bei der unteren Jagdbehörde einen Antrag auf jagdrechtliche Befriedung stellen.
Da von Politikern zugegeben wurde, dass die Regelungen des neuen § 6a Bundesjagdgesetz Grundeigentümern den Austritt aus der Jagdgenossenschaft möglichst schwer machen sollen, sind dabei einige wichtige Punkte zu beachten:


>> Sie müssen zunächst glaubhaft machen, dass Sie die Jagd aus ethischen Gründen ablehnen. Hierbei wäre es von Vorteil, wenn Sie auch objektive Umstände schildern, die zu dieser Gewissensentscheidung geführt haben (Ablehnung der Jagd, Bedrohung durch Jäger, Ablehnung der Tötung von Tieren, Vegetarismus etc.).

>> Zeitpunkt der Befriedung: Das neue Gesetz sieht vor, dass grundsätzlich solange mit der Befriedung Ihres Grundstückes abgewartet wird, bis der Jagdpachtvertrag abgelaufen ist, was viele Jahre dauern kann. Sie sollten daher in Ihrem Antrag unbedingt darauf hinweisen, dass es für Sie aufgrund Ihres schweren Gewissenskonflikts unzumutbar ist, den Ablauf des Jagdpachtvertrages abzuwarten, und dass Sie notfalls hiergegen gerichtliche Schritte einleiten werden, weil dieses Abwarten nicht mit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Einklang zu bringen ist. Die untere Jagdbehörde darf nämlich bei ihrer Entscheidung auch auf das Ende des Jagdjahres abstellen. Es ist daher wichtig, dass Sie Ihren Antrag rechtzeitig vor Ablauf des Jagdjahres (31.03.) stellen.

>> Haftung für Wildschäden: Um Grundstückseigentümer davon abzuhalten, ihr Menschenrecht wahrzunehmen, sollen diese nach Befriedung ihres Grundstückes unter Umständen für Wildschäden haften, die auf anderen Grundstücken entstehen. Lassen Sie sich von dieser Drohgebärde nicht einschüchtern. Die Initiative Zwangsbejagung ade wird hierzu die notwendigen Musterklagen führen und Ihnen bei der Abwehr von Wildschadensersatzansprüchen, soweit es hierzu überhaupt kommt, mit Rat und Tat zur Seite stehen.

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