Freiheit für Tiere
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Gesunder Mensch - erfolgreicher Sportler

Dr. Katharina Wirnitzer ist Sportwissenschaftlerin, Physikerin, Dozentin für Sportwissenschaften, Wissenschaftspublizistin, Autorin, Ausdauer-Leistungssportlerin und Trainerin (Radtouren- & Mountainbike-Guide, Bergwanderführerin). Sie finishte 2003 und 2004 die BIKE Transalp Challenge (Mountain­bike-Etappen-Rennen über 8 Tage). Die leidenschaftliche Outdoor-Sportlerin aus Tirol lebt seit 1999 vegan und promovierte 2009 mit ihrer Untersuchung über die positiven Auswirkungen von veganer Ernährung auf die Ausdauerfähigkeit im Ultra-Marathon-Radsport.*

»Freiheit für Tiere« sprach mit der Sport-Expertin über die Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung.

Als Expertin für rein pflanzliche Ernährung und Ernährungstaktik im Sport stellt Dr. Katharina Wirnitzer ihre Erfahrung auf den Internetseiten change2V und adventureV zur Verfügung.

Freiheit für Tiere: Welche Vorteile bietet vegane Ernährung für Sportler?

Dr. Katharina Wirnitzer:
Einerseits ist die medizinische Fachliteratur zu den Vorteilen pflanzlicher Ernährung für die Gesundheit des Menschen seit fast vier Jahrzehnten erdrückend, denn der Athlet ist zuallererst mal Mensch und erst in zweiter Linie Sportler.

Andererseits bietet die vegane Ernährung vielfältige Vorteile für Sportler; und dass vegan im Sport ganz wunderbar funktioniert, das zeigen viele Profisportler im Extrem- und Ultra-Ausdauersport wie z. B. Gerlinde Kaltenbrunner, Scott Jurek oder Fiona Oakes, aber z. B. auch Patrik Baboumian im Kraftsport. Die Weltrekorde, Olympiasiege, Weltcup-Siege und Weltmeistertitel von Weltklasse-Sportlern verschiedenster Disziplinen liefern vielfache Beweise für Erfolg durch eine vegane Ernährung, nicht zuletzt der Fußball-Weltmeistertitel der deutschen National-Elf 2014!

Das Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM) empfiehlt die vegane Ernährung als die gesündeste Form der Ernährung. Vegane Ernährung ist sogar gesünder als vegetarische Ernährung, da diese kein Cholesterin, weniger Fett, weniger gesättigte Fettsäuren und weniger Kalorien enthält (weil frei von Milchprodukten und Eiern) als vegetarische Kost. Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass die gesundheitlichen Vorteile zunehmen, wenn die Menge tierischer Nahrung in der Kostform verringert wird, was die vegane Ernährung zur gesündesten insgesamt macht.

Laut aktuellen Studien bietet eine abwechslungsreiche, gut geplante und durchgeführte vegane Ernährung enorme Vorteile, und ist aufgrund folgender Aspekte optimale Grundlage für Gesundheit in Beruf & Freizeit und somit Voraussetzung für sportliche Leistungsfähigkeit:
· Bedarfsdeckend bei Energie-, Nährstoff-, Vitamin- und Mineralstoffzufuhr
· Maximiert Leistungs-, Ausdauer- und Regenerationsfähigkeit
· Maximiert Abwehrfähigkeit gegen Krankheiten
· Gesund, fördert die Gesundheit und bietet exzellente Gesundheit
· Vorteile in Prävention und Behandlung von chronischen (so genannte Zivilisations-) Erkrankungen
· Bessere Balance eines stabilen Körpergewichts
· Vorbeugend gegen Stress und Depression, sowie bessere Stimmung und mentaler Zustand

Im Hinblick auf Regenerationsfähigkeit und Immunabwehr sind Veganer eindeutig im Vorteil. Ihre bessere Immunabwehr basiert auf der erhöhten Aufnahme von komplexen Kohlenhydraten, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien, was in einer verbesserten Abwehr von Bakterien und Viren und damit besseren Gesundheit resultiert.

Damit sich ein Sportler optimal auf einen Wettkampf vorbereiten kann, muss gewährleistet sein, dass die Regeneration in der Erholungsphase maximal ist.

Ein großer Vorteil der veganen Ernährung ist der wesentlich größere Anteil an komplexen Kohlenhydraten. Zusätzlich zu den vielfältigen gesundheitsfördernden Effekten ergeben sich daraus die besten Voraussetzungen für ausgezeichnete Gesundheit. Infolge dessen kann der vegane Sportler – eben weil optimal versorgt und (so gut wie) nie krank ist – sein Training wie geplant und ohne krankheitsbedingte Verzögerungen, Stagnation oder gar Rückschritte durchführen und seine Leistungsfähigkeit weiter verbessern.

Der Infokasten zeigt die Hauptvorteile einer veganen Kost als optimale Basis für Gesundheit und sportliche Leistungsfähigkeit von Top-Athleten.

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Pflanzenpower – die optimale Basis für Gesundheit und sportliche Leistungsfähigkeit (Wirnitzer 2013, grafische Gestaltung durch: Julia Brunke für Freiheit für Tiere)

Aufgrund dieser Aspekte ist die vegane Ernährung zur optimalen Energie-, Nährstoff- und Vitalstoffversorgung speziell von Sportlern höchst geeignet und ermöglicht dadurch:
· Erhöhte Leistungsfähigkeit
· Deckung des erhöhten Energie-, Kohlenhydrat- und Nährstoff-Bedarfs
· Schnellere Wiederauffüllung der Muskel-Energiedepots
· Schnellere Erholung und damit verkürzte Regenerationszeiten
· Stabiles Idealgewicht für Sport(-art/-disziplin)

Viel zu häufig sind Athleten in der Vorbereitungsphase vor wichtigen Wettkämpfen oder sogar dem Haupt-Event der Saison krank oder gesundheitlich angeschlagen. Gerade das ist nicht der Boden, auf dem sportliche Erfolge und Siege vorbereitet werden können.

Durch den Sport hat der Körper einen erhöhten Bedarf an Kohlenhydraten, ebenso wie an den notwendigen Vitalstoffen, und kann durch die rein pflanzliche Kostform automatisch in erhöhtem Maße versorgt werden.

Der vegane Sportler hat mit seiner Ernährung bereits die besten Voraussetzungen für eine optimale Nährstoffversorgung bei lang andauernden und intensiven Belastungen im Sport gegeben.

Darüber hinaus gibt es ausreichend Labor- und Feldstudien (darunter auch meine), die beweisen, dass eine gut geplante und umgesetzte vegane Ernährung den Energie- und Nährstoffbedarf von Wettkampfathleten optimal decken kann.

Der gesunde Mensch ist das Fundament, um sein sportliches Potential voll auszuschöpfen und sportliche Höchstleistung aufzubauen.

Exakt das ist die Basis für den Aufbau der sportlichen Leistungsfähigkeit. Denn erst der gesunde Athlet kann ein effizientes Trainingsprogramm mit anschließend optimaler Regeneration konsequent verfolgen und langfristig umsetzen, um am Tag X bzw. im Wettkampf auf höchstem Niveau Spitzenleistungen erbringen zu können.


Freiheit für Tiere: Wie sieht aus deiner Sicht als Sportwissenschaftlerin und Ernährungsexpertin eine optimale vegane Ernährung aus, sowohl für Sportler als auch für alle Menschen, die sich gesund ernähren möchten?

Dr. Katharina Wirnitzer:
Diese Frage zielt grundsätzlich auf den Unterschied von Alltagsnahrung (Beruf, Freizeit, lockeres Training) versus Funktionsnahrung (Wettkampf, evtl. Regeneration) ab. Dazu darf ich den interessierten Leser einerseits auf eure sehr gelungene erste Ausgabe der »Freiheit für Tiere« 2/2014 zum Thema Sport & Vegan, und andererseits auf meinen dreiteiligen Fachartikel zu Galina Schatalova auf www.symptome.ch verweisen, jeweils dort konnte ich bereits einiges dazu beantworten.

Dr. Katharina Wirnitzer stellte die NURMI-Studie

beim Kongress des European College of Sport Science ECSS im Juli 2016 in Wien vor, wo die ersten Ergebnisse der größten Laufstudie Europas sehr positiv aufgenommen wurden. · Bild: Dr. Katharina Wirnitzer · adventureV.com ·

Nährstoffe dienen als Energiequelle

Der Körper arbeitet mit Kohlenhydraten insgesamt am effizientesten. Die Kohlenhydratverdauung beginnt bereits im Mund (basisches Milieu). Kohlenhydrat ist damit schnell verfügbar und ergibt eine maximale Energieausbeute beim Sport Dagegen beginnt die Proteinverdauung erst im Magen (saures Milieu) und die endgültige Aufspaltung von Fett erfolgt im Zwölffingerdarm (basisches Milieu).

Speziell komplexe Kohlenhydrate (z. B. in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Wurzelgemüsen oder Bananen) garantieren einerseits durch ihre langsame Aufspaltung geringe Schwankungen bei gleichzeitig relativ stabilem Blutglucose-Spiegel und versorgen den Körper andererseits über lange Zeiträume gleichmäßig mit Energie. Kohlenhydrat ist damit für alle Menschen und für alle Belastungsformen - egal, ob im Alltag oder Beruf, Ausdauer- oder Kraft-Sport - die Basis für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Das heißt, dass jeder Sportler – auch der Kraftsportler – sich überwiegend aus Kohlenhydraten ernähren muss (mindestens 50 – 60 % der Tagesenergie), was aber die meisten zum eigenen Nachteil nicht tun.

Für Sportler ist allerdings der Energiegewinn aus der Muskelkontraktion bei (anaerober und aerober) Belastung von besonderem Interesse. Kohlenhydrate liefern die größte Energiemenge und haben damit als Energielieferant bei Aktivität, Bewegung & Sport die Nase vorn. Im Vergleich dazu ist die Energieeffizienz bei Energie aus Protein und Fett jeweils zu gering – ein weiteres Argument, warum gerade Kohlen­hydrat der Haupt-Brennstoff ist.

Ich komme gerade vom diesjährigen Sportwissenschafts-Kongress des European College of Sport Science (ECSS) zurück. Der O-Ton von uns Sporternährungs-Spezialisten, den aktuell führenden Sportwissenschaftern der Special Interest Group am Sports Nutrition Track des ECSS 2016, lautet im (Leistungs-)Sport nach wie vor: »Carbohydrate is king!«

Vegane Ernährung für maximale Gesundheit

Speziell Veganer (Nicht-Sportler) nehmen den Hauptteil ihrer Energie in Form von Kohlenhydraten auf (50 – 65 %; min. – max.: 54 – 72 %), bei gleichzeitig adäquater Proteinzufuhr (10 – 15 %) und geringerem Fettanteil (20 – 25 %). Zusammen mit der stark erhöhten Aufnahme von Vitalstoffen (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe, Antioxidantien und Ballaststoffe durch vermehrten Konsum von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten) ist das die optimale Voraussetzung für sportliche Belastungen.

Ein Nachteil von tierischen Produkten ist die drei- bis viermal höhere Belastung mit Giftstoffen im Vergleich zu rein pflanzlichen Produkten: Medikamentenrückstände (Wachstumshormone, Hormone zur Steigerung der Fruchtbarkeit und Milchleistung, Psychopharmaka, Tranquilizer und Antibiotika), Industriegifte und Schwermetalle kommen in Fleisch, Wurst, Fisch und so genannten Meeresfrüchten, aber auch in Milch und ilchprodukten (Käse) sowie Eiern vor und wurden (und werden auch aktuell) wiederholt nachgewiesen. Aus dieser Perspektive ist die vielfach attestierte »qualitative Überlegenheit« von tierischem gegenüber pflanzlichem Protein höchst fragwürdig und darf zu Recht angezweifelt werden.

Gerade für Sportler bietet dieser Aspekt Nachteile und denkbar schlechte Voraussetzungen, um das sportliche Leistungspotential auszureizen (Training, Regenerations- und Erholungsphase) und voll auszuschöpfen (Wettkampf).

Protein ist allgemein stark überbewertet. Aufgrund der Fehl­meinung, Fleisch (tierisches Protein) sei Lebenskraft, folgt die falsche Annahme »Der Mensch braucht Fleisch«, welche vielfach und speziell von Männern und Sportlern gerne strapaziert wird. Protein ist Baustoff (kann im Körper nur zu etwa 5 % gespeichert werden) und ist daher – wie fälschlicherweise meist behauptet wird – ganz klar kein Brennstoff, nur in Ausnahme­fällen Not-Brennstoff.

Der tatsächliche Proteinbedarf liegt bei 0,66 g/kg*Tag (siehe Literatur) und damit deutlich unter den allgemeinen Empfehlungen von 0,8 – 1 g/kg Körpergewicht (darin bereits ein individuell variabler Sicherheitszuschlag z. B. für Erkrankung eingerechnet). Fakt ist damit, dass die meisten Menschen mit (tierischem) Protein über­versorgt sind, was sich nachteilig auf die Gesundheit auswirkt.

Vegane Nicht-Sportler erreichen die aktuellen Ernährungsrichtlinien für die empfohlene Proteinzufuhr und sind nicht nur ausreichend mit Protein versorgt, sondern überschreiten mit 10 – 15 % der täglichen Gesamtenergie sogar leicht die empfohlene Tageszufuhr. Daher ist eine Proteinaufnahme von 8 – 15 % der Gesamtkalorien ausreichend für die Gesundheit und auch für den stärker belasteten Sportler-Stoffwechsel optimal. Die allgemeine Empfehlung, bis zu 35 % der Tagesenergie aus Protein zu decken, ist also keine physiologische Notwendigkeit, sondern eher Marketing-Strategie eines weltweit milliardenschweren Marktes (Proteinprodukte als Topseller im Online-Handel).

Gesunder Mensch -

erfolgreicher (Leistungs-)Sportl

Auf der Basis »Gesunder Mensch – erfolgreicher (Leistungs-) Sportler« verstehe ich unter gesunder, wertvoller Ernährung für alle Lebenslagen im Hinblick auf lebenslange Gesundheit Folgendes: Der Schwerpunkt liegt auf komplexen Kohlenhydraten – das ist der »Sprit« für Gesundheit und sportliche Leistung! Sprich Obst, Gemüse und Salate, Pilze, Vollwertgetreide (ebenso Ur- und Pseudo­getreide), Hülsenfrüchten Nüsse, Samen, Sprossen, Gewürze und frische Kräuter, dazu Reis, Kartoffeln, Couscous, Vollwertnudeln ohne Ei u.v.m. Die Lebensmittel sollen möglichst frisch, bio, bunt und farbenfroh (die Seele isst mit und lacht schon beim Einkauf) sein und abwechslungsreich und vielfältig verwendet werden. Obst und Gemüse sollte man überwiegend roh verzehren. Zur Vitaminversorgung übers ganze Jahr kann man am besten selbst Keimlinge am Fenster ziehen – sie schmecken köstlich auf Salat und Brot. Achten Sie auf hochwertiges Pflanzen­protein, am besten aus einer Kombination von Vollwertgetreide und Hülsen­früchten (ergeben kombiniert eine höhere biologische Wertigkeit als Vollei: Referenzwert 100), z. B. Sojadrink mit Hafer­flocken zum Frühstück und mittags Kartoffeln mit Mais & Bohnen. Auch Nüsse enthalten viel Protein, z. B. Erdnüsse 25 % und Mandeln 24 %. Und keine Angst vor Eisenmangel: In Hafer­flocken (ca. 4,6 mg) steckt mehr Eisen als in Fleisch (durchschnittlich nur 2 – 3mg) und kombiniert mit Vitamin C erhöht sich die Eisenaufnahme deutlich. Topquellen sind Sesam mit 780 mg, Mandeln und Sojafleisch mit ca. 250 mg, pro 100 g.

Qualität vor Quantität ist der Fokus einer gesunden veganen Ernährung in Alltag, Training und Regeneration für lebenslange Gesundheit – nicht aber während des Wettkampfs selbst.
Abwechslungsreiche Kost reich an Obst, Gemüse und Vollwert­produkten und damit reich an (bevorzugt komplexen) Kohlen­hydraten, an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien bildet die Grundlage für maximale Gesundheit und ist optimale Basis für sportliche Höchstleistungen. Für den Gesundheits- und Freizeitsportler ist dadurch jeglicher Bedarf gedeckt und macht Sport-Supplemente unnötig.

Funktionsnahrung im Wettkampf

Wie vorher bereits erwähnt, ist nur ein wirklich gesunder Mensch der Schlüssel zum später leistungsstarken Sportler. Dabei ist Kohlenhydrat der bevorzugte Haupt-Brennstoff, somit wichtigster Energielieferant und leistungsbestimmender Faktor – und nicht Protein!

Die durchschnittliche, submaximale Belastung (Alltag, Freizeit- und Gesundheitssport) steht der Höchstleistung am Leistungslimit aller Systeme (körperlich, psychisch-mental) gegenüber. Überlegungen bezüglich einer bedarfsgerechten Ernährung müssen einerseits auf Basis des eigenen Trainings (Häufigkeit, Dauer, Intensität) und andererseits auf den angestrebten Zielen (z. B. Marathonlauf, Gewichtsverlust, Ästhetik, Muskelaufbau) erfolgen. Daraus ergibt sich folgende, grob differenzierte Einteilung für eine Definition von aktiven Sportlern in: Gesundheitssportler, Freizeitsportler und Leistungssportler. (Nähere Infos dazu in der SPORT & VEGAN-Broschüre von PETA)

Die so genannte Funktionsnahrung (hier gibt es inzwischen eine große Auswahl an veganen Produkten) ist durch energie­dichte und kohlenhydratreiche Riegel, Gels, Shots, Bloks, Blasts, Kautabletten und isotonische Sportgetränke hoher Kohlenhydrat- und Elektrolytdichte (handelsübliche Lösungen mit 4 – 8 %) uvm. charakterisiert. Im Wettkampf oder auch Training bei hohen Belastungsintensitäten und -umfängen ist die Deckung des erhöhten Energie-, Kohlenhydrat- und Mineralstoffbedarfs durch eine spezielle Nahrung – die so genannte Funktionsnahrung – notwendig, um einerseits die Muskelglykogendepots zu schonen, die Blutglucose- und -elektrolytlevels konstant zu halten, und andererseits um einen kontinuierlichen Energienachschub zu gewährleisten. Gleichzeitig schont Funktionsnahrung den Magen-Darm-Trakt und hält die erhöhte Verdauungstätigkeit zur Energiebereitstellung aufrecht. Funktionsnahrung ist nur sinnvoll bei hochintensiven oder langandauernden (intensiven) Belastungen (Wettkampf, Training), und nicht bei moderaten, submaximalen Belastungen (Alltag, Freizeit- und Gesundheitssport).

Darüber hinaus sind Wettkampf und langes hartes Training nicht die Zeit, um sich gesund zu essen. Sich zu diesem Zeitpunkt auf die Gesundheit zu fokussieren, wäre viel zu spät. Vielmehr ist das die Zeit für Nachschub von großen Mengen an Energie, Kohlenhydrat und Flüssigkeit: Quantität (direkt im Wettkampf) zusammen mit Qualität (pre-/post-race) ist das Augenmerk für das schadlose »Überdrehen« des Körpers als Hochleistungsmotor im roten Bereich. Diese Wettkampfsituation ist die Ausnahme und vom wirklich gesunden Körper gut tolerierbar. Daher muss der Fokus im Wettkampf kurzfristig und vorübergehend auf der Zufuhr von Energie und (schnell verfügbaren) Kohlenhydraten liegen. Der Leistungssportler deckt hier seinen belastungsinduziert erhöhten Bedarf durch Funktionsnahrung völlig ab.

Die optimale Nährstoffverteilung aus Kohlenhydrat:Protein:Fett beträgt für das Ausdauer-Segment 8:1:1 bzw. als %-Verteilung 80:10:10 bzw. für das Kraft-Segment als %-Verteilung etwa 55:10-25:10.

Den Unterschied von pre- und post-race Nahrung (Frühstück, Abendessen, Regeneration und Wiederauffüllung der Energiedepots) zur Funktionsnahrung während des Wettkampfs selbst, konnte ich durch meine Forschungsarbeit am Pilotprojekt bikeeXtreme, speziell mit der Meilenstein-Publikation zur veganen Ernährungstaktik während 8 Wettkampf-Etappen im Mountainbikesport zeigen (Wirnitzer & Kornexl 2014).

Faustregeln für Sportler

Konkret gelten also im (Leistungs-)Sport folgende Faustregeln:
1) Nur der richtige Trainings-Reiz erhält die Muskelmasse, lässt Muskeln stark oder ausdauernd sein, NICHT aber die Ernährung an sich und auch nicht (tierisches oder pflanzliches) Protein!
2) Qualität vor Quantität in der Ernährung (frisch, bio, vollwert, abwechslungsreich und vielfälg) ist das Credo für maximale Gesundheit in Alltag, Freizeit, Training, sowie für
Regeneration und Wiederauffüllung.
3) Quantität vor Qualität gilt für die Nahrungszufuhr direkt im Wettkampf, um möglichst schnell viel Energie zu liefern und gleichzeitig den Magen-Darm-Trakt zu schonen.
4) Praktisches: Bei Hitze (so lange als möglich im Schatten, wenn möglich kein Sonnenschutz) muss der ernährungstaktische Schwerpunkt auf der (erhöhten) Flüssigkeitszufuhr liegen, bei Kälte hingegen auf der (erhöhten) Energiezufuhr (70 – 80 % aus schnell verdaulichen Kohlenhydraten).
5) Ideal wäre eine permanente Zufuhr während der gesamten Belastung, damit der Sportler voll leistungsfähig bleibt: Idealer­weise alle 10 - 12 min. trinken und alle 15 - 20 min. essen (energie- und kohlenhydratdichte/s Sportgetränk/Sportnahrung).

Bild: Dr. Katharina Wirnitzer, Gerold Wirnitzer ·

Freiheit für Tiere: Was war für dich ganz persönlich die Motivation, vegan zu werden?

Dr. Katharina Wirnitzer:
Mir wurde ein Leben lang von meiner Familie (Viehhändler, Bauern, Metzger, Jäger) gesagt: »Das war schon immer so«, und »Tiere sind zum Essen da«. Ich wollte, dass es den Tieren gut geht und spürte: Da stimmt irgendetwas nicht. Es ist die Geschichte meiner Familie, nicht meine eigene! Mit 16 Jahren fiel der Vorhang: Ich begriff, dass es den Tieren eben gar nicht gut ging – die »Argumente« zogen nicht mehr. Von da an hab ich mich vegetarisch ernährt. Ich dachte mit Milch, Käse und Eiern, pinken Haare und knallbunten Fingernägeln tue ich den Tieren nicht weh. Alles falsch. Durch mein Sportstudium hat sich dann faktisch alles noch mehr verdichtet. Die Puzzleteile setzten sich nach und nach zusammen – das Mosaik lag vor mir: Vegan war und ist die Lösung! Es war klar, dass ich einfach vegan leben muss! Es war der wichtigste Schritt und die beste Entscheidung meines Lebens.

Das war mit 25. Die Konsequenz aus diesem Prozess ist, dass ich nun seit 1999 vegan lebe (nicht nur esse!) – aus ethischen, sozialen, gesellschaftlichen und globalen, gesundheitlichen und ernährungstaktischen Gründen. Für mich war ganzheitlich-nachhaltig vegan ein logisches Muss, nur ein kleiner Schritt sprichwörtlich über Nacht; ich hatte ja bereits neun Jahre vegetarisch vorgearbeitet. Ich denke einfach konsequent zu Ende, weil ich keine halben Sachen mag; schon gar nicht, wenn es irgendwem (egal ob Mensch oder Tier) dabei schlecht geht.
Gerade das (körperlicher Schmerz, mental-seelisches Leid) sollten Sportler gut nachvollziehen können!

Ich habe mir einfach die Freiheit genommen – und das kann jeder –, mein Lebensglück in allen Bereichen auf Gewinn an Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufzubauen, nicht aber auf Ausbeutung, Leid und Tod von Wehrlosen; das ist so einfach, heute mehr denn je zuvor! Mein Bestreben, anderen durch meinen Beruf, Sport oder mein Privatleben nicht zu schaden, verfolgte ich konsequent weiter.

Sport ist mein Leben! Ich bin mit unseren (Notfall-)Hunden jeden Tag draußen am Berg oder im Wald. Zum Ausgleich für das intensive Forschen, viele Reisen, Schreiben und Sprechen bin ich am liebsten beim Laufen und Berglaufen, Wandern und Berggehen, Mountainbiken, Tiefschneestapfen und Schneeschuhwandern unterwegs. Und: Sooft ich kann, begleite ich
meinen Mann zu Business-Kunden von change2V oder seinen Gästen bei den adventureV Sport-Events – da lerne ich immer spannende Menschen kennen! Ich bin angekommen und für mich persönlich gilt: »Vegan 4 ever – NO way back!«


Das Interview mit Dr. Katharina Wirnitzer führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«

Als Expertin für rein pflanzliche Ernährung und Ernährungstaktik im Sport stellt Dr. Katharina Wirnitzer ihre Erfahrung auf den Internetseiten change2V und adventureV zur Verfügung.

change2V richtet sich an Vegetarier, Veganer und solche, die es werden wollen. Ernährungs-Coaching, Sport-Coaching, Personal-Training, Vorträge, Workshops, Firmen-Events, Gastro- & Tourismus-Training.
www.change2V.com

adventureV richtet sich an aktive und sportliche Vegetarier, Veganer und solche, die es werden wollen. Aktiv-Urlaub und Sport-Ferien charakterisiert durch drei Merkmale: Abenteuer, Outdoor, Freude, Spaß & Wohlbefinden, dazu Veggie-Verpflegung und -Unterkunft, köstlich, stressfrei und unkompliziert. Hundewandern, Mountainbike, Rennrad, Schneeschuhwandern, Wandern, VeggieDays, Firmen Events.
www.adventureV.com

Literatur:

* Katharina Wirnitzer: bikeeXtreme. Performance determining factors and vegan nutrition pattern to successfully complete the Transalp Challenge. SVH - Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, 2009. ISBN: 978-3-8381-0912-1.

Wirnitzer KC & Kornexl E (2014). Energy and macronutrient intakte of a female vegan cyclist during an 8-day mountain bike stage race. Proc (Bayl Univ Med Cent); 27(1):42-45

Brendan Brazier: Vegan in Topform. Mit einem Vorwort von Dr. Katharina Wirnitzer. Unimedica Verlag, 2013

Dr. Jacobs Weg des genussvollen Verzichts. Mit einem Buchkapitel von Dr. Katharina Wirnitzer (2. Auflage, Dezember 2013)

Die NURMI-Study ist Europas größte Laufstudie und wurde als Follow-Up zu bikeeXtreme initiiert, um Gesundheit und Laufleistung bei Mischkost, vegetarischer und veganer Ernährung zu untersuchen.

Weiterführende Informationen: