Freiheit für Tiere
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Gespräch mit Barbara Rütting

Warum sie seit fast 50 Jahren keine Tiere isst,

über Erfolge und Rückschläge im Tierschutz-

Engagement, über ihr Kinderkochbuch

und die Rettung einer Waldkuh

Barbara Rütting ist Schauspiel-Ikone, Bestsellerautorin, Gesundheitsberaterin, Politikerin und Tierschützerin. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich für Tierrechte, Menschenrechte und den Umweltschutz. Auch mit inzwischen 90 Jahren setzt sie sich unermüdlich für die Tiere und eine bessere Welt ein.

»Freiheit für Tiere« sprach mit der jung gebliebenen Tierschutz-Pionierin über ihren Weg zur Vegetarierin und schließlich zur Veganerin - und über die schönen Erlebnisse und Erfolge, aber auch die Enttäuschungen des letzten Jahres.

Das Gespräch mit Barbara Rütting führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«

Auch mit 90 Jahren: Barbara Rütting als Kämpferin

für Tier- und Menschenrechte

Barbara Rütting wurde 1927 als ältestes von 5 Kindern einer Lehrerfamilie geboren und wuchs im Dorf Wietstock an der Nuthe auf. Gerne wäre sie Ärztin geworden, stand dann aber bei Kriegsende kurz vor dem Abitur mit einem Rucksack in Flensburg auf der Straße. Einige Jahre arbeitete sie in einer dänischen Familie als Dienstmädchen.

1952 gab Barbara Rütting Fotos im Filmstudio Berlin Tempelhof ab und erhielt sofort die weibliche Hauptrolle in dem Film »Postlagernd Turteltaube«. Von 1952 bis 1983 spielte sie Hauptrollen in 45 Filmen, darunter in dem Antikriegsfilm »Die letzte Brücke«, »Die Geierwally«, »Operation Crossbow« mit Sophia Loren und »Stadt ohne Mitleid« sowie an allen wichtigen deutschsprachigen Bühnen.

1970 wurde Barbara Rütting Vegetarierin, nachdem sie auf einen Bauernhof gezogen war und die Tiere, die sie nun hautnah kennen und lieben gelernt hatte, nicht länger essen wollte. 1976 erschien »Mein Kochbuch - naturgesunde Köstlichkeiten aus aller Welt«, eines der ersten vegetarischen Kochbücher überhaupt, das ein Bestseller und viele Male neu aufgelegt wurde. 1981 folgte das »Koch- und Spielebuch für Kinder« und 1985 »Mein neues Kochbuch«, beides ebenfalls Bestseller.

In den 1980er-Jahren beendete Barbara Rütting ihre Schauspielkarriere und konzentrierte sich auf ihr Engagement für Tierrechte, Menschenrechte und Umweltschutz. Unermüdlich wies sie auf den Zusammenhang von Massentierhaltung, Bodenverseuchung, der Abholzung der Regenwälder und dem Hunger in der Welt hin. Sie kettete sich aus Protest gegen Tierversuche beim Pharmakonzern Schering an und demonstrierte gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen und Aufrüstung.

Barbara Rütting war seit Beginn Mitglied der GRÜNEN. Wegen der Zustimmung der GRÜNEN zum Einsatz im Kosovokrieg trat sie wieder aus. Als Renate Künast Verbraucher­schutzminsterin wurde und sich für Verbesserungen in der Tierhaltung aussprach, trat Barbara Rütting wieder in die Partei ein. Im September 2003 wurde sie für die GRÜNEN als Abgeordnete in den Bayerischen Landtag gewählt. 2008 wurde sie zum zweiten Mal gewählt, legte aber 2009 aus Gesundheits- und Gewissensgründen vorzeitig das Mandat nieder. Im September 2009 verließ Barbara Rütting die GRÜNEN zum zweiten Mal aus Protest, nachdem Renate Künast vor laufender Kamera zusammen mit einem Kind einen Fisch erschlagen hatte - mit der Bemerkung »Wenn’s nachher gut schmeckt«. Nicht nur das mangelne Engagement der GRÜNEN für den Tierschutz, sondern auch die Zustimmung zum Afghanistaneinsatz war für sie als Pazifistin untragbar.

Im September 2010 erschien ihr Buch »Wo bitte geht’s ins Paradies? - Burnout einer Abgeordneten und Neuanfang«, eine Aufarbeitung ihrer 6 Jahre Tätigkeit im Landtag.

2013 erschien ihr Kochbuch »Vegan & vollwertig - Meine Lieblingsmenüs für Frühling, Sommer, Herbst und Winter«, in dem Barbara Rüttting vollwertige vegane Rezepte mit einem an die Jahreszeiten angepassten Speiseplan kombinierte und zeigte, wie man auch mit Messer und Gabel die Umwelt schützen und guten Gewissens genießen kann.

Obwohl sie nun eigentlich kein Buch mehr schreiben wollte, schrieb sie doch noch eins: die Autobiographie »Durchs Leben getobt«, die 2015 erschien und im Oktober 2017, kurz vor ihrem 90. Geburtstag, im Goldmann-Verlag als Taschenbuch herauskam.

Und obwohl sie eigentlich längst genug von der Politik hatte, trat Barbara Rütting 2017 im Alter von 89 Jahren in die neugegründete V-Partei³ für Veganer, Vegetarier und für
Veränderungen ein und kandidierte für den Bundestag.

Barbara Rütting lebt in einem Dorf im Spessart, gemeinsam mit ihrer Hündin Lola.

Informationen: www.barbara-ruetting.de

Schon in ihrer Paraderolle »Die Geierwally« (1956)

zeigte Barbara Rütting ihren unerschrockenen Kampfgeist.

Promi-Blockade

gegen die Stationierung von Pershing II-Raketen in Mutlangen.

»Mein Kochbuch« aus dem Jahr 1976

- eines der ersten vegetarischen Kochbücher in Deutschland.

Inzwischen aus Liebe zu den Tieren vegan lebend,

erschien 2013 »Vegan & vollwertig«.

Kurz vor ihrem 90. Geburtstag

im Oktober 2017 wurde Barbara Rüttings Autobiographie »Durchs Leben getobt« als Taschenbuch neu aufgelegt.

»Freiheit für Tiere«-Interview mit Barbara Rütting

Freiheit für Tiere: Barbara, du hast dich vor fast fünf Jahrzehnten - nämlich schon 1970 - entschieden, keine Tiere mehr zu essen. Damit bist du eine Trendsetterin: Du gehörst zu den Pionieren der vegetarischen Bewegung und hast - auch durch deine Kochbücher - den vegetarischen Gedanken bereits in den 1970er und 80er Jahren ganz entschieden mit vorangetrieben. Wie kam es denn, dass du damals Vegetarierin geworden bist - in einer Zeit, in der die meisten Menschen gar nicht wussten, was das ist?

Barbara Rütting:
Ich habe als Kind eigentlich schon gewusst, dass man vegetarisch leben sollte. Doch das war im Laufe des Lebens verloren gegangen, durch die Schauspielerei - irgendwie war ich wohl doch ein bisschen angepasst und hatte leider damals auch Pelzmäntel - ich hatte es verdrängt. Und dann kam der radikale Wechsel: Ich war aufs Land gezogen, auf einen Bauernhof, und konnte die Tiere, die ich jetzt kennenlernte - die Rehe unter dem Apfelbaum, die Hühner, die Namen hatten - nicht mehr essen!

Eines Tages brachte mir der Nachbar einen Fasan, den ich vorher noch auf dem Acker hatte rumlaufen sehen, mit diesen wundervollen Federn. Jetzt sah er immer noch schön aus, aber er war tot! Er musste eine Woche hängen, damit ich ihn überhaupt braten konnte. Uhh... das gelang mir nur mithilfe einer halben Flasche Whiskey. Dann stocherten mein Freund und ich in diesem Essen rum... Ich sagte: »Kannst du das essen? - Ich kann es nicht!« Da hat der Hund den Fasan bekommen und wir aßen die Knödel und den Rotkohl. Von diesem Tag an war ich Vegetarierin.

Dann sah ich, wie die Tiere gehalten wurden - die Pferde waren damals noch angebunden, das war selbstverständlich, heute unvorstellbar. Die Sau musste ihre Kinder in diesem fürchterlichen Kastenstand zur Welt bringen, in dem sie sich nicht einmal umdrehen konnte.

Aber ich aß nach wie vor Eier und Milchprodukte. Ich erinnere mich an einen Kuchen mit 6 Eiern...

Freiheit für Tiere: Heute lebst du vegan. Wie kam es dazu?

Barbara Rütting:
Es dauerte merkwürdigerweise fast vierzig Jahre, bis ich diesen Schritt auch noch schaffte. Weil ich eben immer wieder merke: Es ist nicht konsequent genug! Ich bin auch noch schuld am Tierelend, wenn ich Eier und Milchprodukte esse: Die männlichen Küken werden zermust, geschreddert, weil sie eben später keine Eier legen können. Und die Kälbchen - auch die Bio-Kälbchen - werden den Müttern weggenommen. Die männlichen Kälbchen werden ebenfalls geschlachtet!

Das alles führte dazu, dass ich von einem Tag auf den anderen vegan wurde. Dieser Schritt fiel mir schwerer als der, das Fleisch wegzulassen und Vegetarierin zu werden - vor allem auf Butter und Käse zu verzichten.

Freiheit für Tiere: Da bist du nicht die Einzige: Viele Vegetarier sagen, dass sie (noch) nicht auf Käse verzichten könnten!

Barbara Rütting:
In einem Gespräch mit meinem Freund Rüdiger Dahlke sagte ich: »Du, ich habe richtig Entzugserscheinungen, seit ich keine Butter und keinen Käse esse.«
Er erklärte mir, dass diese Lebensmittel Tryptophan enthalten, die Vorstufe vom Serothonin, dem Glückshormon. Nun ging es darum: Wo kriege ich jetzt Tryptophan her? Tryptophan ist zum Beispiel in Cashews, die esse ich sehr gerne. Und Lola ist geradezu wild danach!
(Lola, Barbaras Hund, schaut sie konzentriert an.)
Lola hört zu, guck mal! Lola lebt auch vegan. Sie darf kein tierliches Eiweiß, weil sie ein Nierenproblem hat. Sie holt sich aber ab und zu eine Maus.

Barbara Rütting mit ihrer Hündin Lola,

einem ehemaligen Straßenhund. · Bild: Freiheit für Tiere

Beide Damen leben vegan

- Barbara aus Liebe zu den Tieren und Lola aus gesundheitlichen Gründen. · Bild: Freiheit für Tiere

Freiheit für Tiere: Was kannst du Menschen raten, die von vegetarischer auf vegane Ernährung umstellen wollen?

Barbara Rütting:
Aus eigener Erfahrung möchte ich sagen: Sanft miteinander umgehen, auch sanft mit sich selbst - und Rückfälle liebevoll verzeihen. Vor allem darf man nicht denken, vegan ist automatisch allein selig machend, man kann sich auch vegan ungesund ernähren. Wenn man Fleisch, Eier und Milch weglässt, muss man andere Dinge essen - nicht als Ersatz, sondern als Besseres. Da gibt es ja ganz köstliche Sachen!

Freiheit für Tiere: Letztes Jahr bist du stolze 90 Jahre alt geworden. Unglaublich...

Barbara Rütting:
(lacht) Ich kann es ja selber kaum glauben...

Freiheit für Tiere: Wenn du auf das Jahr zurückblickst: Was gab es für Erfolge?

Barbara Rütting:
Es war ein ungeheuer anstrengendes Jahr! Ich bin in die V-Partei3 eingetreten, weil sie die Ziele im Programm hat, die ich bei den Grünen vermisste.

Den Grünen lag nie wirklich etwas am Vegetarismus oder an Tierrechten, auch wenn sie mal halbherzig einen Veggietag einführen wollten. Was musste ich mir da alles anhören, als ich für die Grünen Abgeordnete im Bayerischen Landtag war: »Ach, du mit deinem scheiß Tierschutz, lass mich damit in Ruh!«, »Deine blöden Hühner sind mir egal!« - das sagten meine Fraktionskollegen! Nachdem ich ausgetreten war, ist der Tierschutz auch wieder völlig eingeschlafen.

Also bin ich in die V-Partei3 eingetreten - das V steht für Veränderung, Vegetarier und Veganer. Veränderung finde ich sehr wichtig: »Sei du die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.« Ich wurde als Bundestagskandidatin aufgestellt und habe mich wahnsinnig engagiert. Deutschlandweit hatte die Partei bei der Bundestagswahl 0,1 %, in Bayern 0,2 %, in meinem Wahlkreis Main-Spessart sogar 0,3 % und nun kommt’s: In meinem Heimatort Michelrieth hagelte es Glückwünsche für satte 18,2 %! Das Jahr war total euphorisch, aber ich habe mir wie immer viel zu viel aufgehalst.

Daneben habe ich noch mein vegetarisches Kinderkochbuch aus dem Jahr 1981, das damals ein Bestseller war und immer wieder neu aufgelegt wurde, überarbeitet. Ich habe die vegetarischen Rezepten um vegane Rezepte ergänzt und einige vegetarische Rezepte »veganisiert«. Das Kinderkochbuch sollte zur Buchmesse erscheinen.

Und jetzt komme ich zur Kehrseite der Euphorie: Ich erlebte eine riesige Enttäuschung, weil der Vegetarierbund sein Versprechen, die Neuauflage des vegetarischen Kinderkochbuchs zu unterstützen, nicht gehalten hat. Der Vegetarierbund, der neuerdings »ProVeg« heißt, hatte mir zugesagt, das Buch in seinem Magazin zu promoten und eine Kochshow auf der Buchmesse organisiert. Plötzlich, kurz vor der Veröffentlichung, kam der Rückzieher: »ProVeg« könne das Kinderkochbuch nicht bewerben, weil es nicht nur vegane, sondern auch vegetarische Rezepte enthält. Die Kochshow auf der Buchmesse wurde von »ProVeg« ebenfalls abgesagt, kurz vor dem festgesetzten Termin - obwohl ich dort ein veganes Rezept aus dem Kochbuch vorgestellt hätte.

Nun bin ich schon seit Anfang der 1970er Jahre Mitglied im Vegetarierbund und seit 2007 Ehrenmitglied! Das war wirklich eine wahnsinnige Enttäuschung - sie hat sogar dazu geführt, dass ich krank wurde und auf die Intensivstation musste.

Dann geschah wieder etwas Wunderbares: Die Diätassistentin der Klinik entdeckte auf meinem Nachttisch das erste druckfrische Exemplar der Neuausgabe des Kinderkochbuchs und jubelte geradezu: »Nein, das gibt’s doch nicht: Der Kater Fettucini hat mich durch meine ganze Kindheit begleitet! Diesem Buch verdanke ich, dass ich Vegetarierin geworden bin und bei Prof. Leitzmann die Ausbildung zur Diätassistentin gemacht habe!« - Das sind dann wieder Glücksmomente, die vieles aufwiegen!

Und Prof. Leitzmann hat auf der Rückseite des Buchdeckels ein regelrechtes Loblied gesungen: »Ich bin begeistert. So kann man Kinder motivieren!«

Prof. Leitzmann ist der wissenschaftliche Berater des Vegetarierbunds oder »ProVeg«. Und »ProVeg« selber hat es abgelehnt, das Buch zu bewerben. Verstehe das, wer kann!

Freiheit für Tiere: Obwohl sie zunächst zugesagt hatten, das Buch zu promoten?!

Barbara Rütting:
Ja, und dieser Rückzieher kam erst kurz vor der Veröffentlichung des Kinderkochbuchs. - Aber es gab noch mehr Gründe für meinen Austritt.

Mein größter Konflikt mit dem Vegetarierbund oder »ProVeg« ist: Seit einigen Jahren wird immer häufiger Anhängern oder Sympathisanten einer Glaubensgemeinschaft außerhalb der Amtskirchen die Teilnahme an Veggie-Messen verweigert, mit der »Erklärung«, sie seien unerwünscht - sogar »ProVeg«-Mitgliedern. Einer Schulungsköchin des »ProVeg« wurde untersagt, auf der Webseite das Restaurant, in dem sie arbeitet, anzugeben, weil dieses mit einer Glaubensgemeinschaft assoziiert wird. Und das, obwohl laut Grundgesetz niemand wegen seiner religiösen Ausrichtung ausgegrenzt oder benachteiligt werden darf!

Daher habe ich mich entschlossen, aus dem Vegetarierbund nach über vier Jahrzehnten auszutreten und auch meine Ehrenmitgliedschaft zurückzugeben. Diese Entscheidung und die Gründe dafür habe ich auch so an den Vegetarierbund geschrieben und über meinen Newsletter und auf meiner Internetseite bekannt gemacht.

Freiheit für Tiere: Du bist ja bekannt für deine konsequenten Entscheidungen - auch wenn dies oft bedeutet, keinen einfachen Weg zu gehen. Doch zurück zur Neuauflage deines Kinderkochbuchs: Die Vollwert-Leute nach Dr. Bruker sind doch sicher begeistert, weil die Rezepte nicht nur vegetarisch und vegan, sondern vor allem auch vollwertig sind?

Barbara Rütting:
Den Bruker-Leuten der GGB (= Gesellschaft für Gesundheitsberatung) bin ich zu vegan.

Freiheit für Tiere: Also noch mal zusammengefasst: Die einen wollen das Kinderkochbuch nicht bewerben, weil es zu vegan ist, und die anderen wollen es nicht bewerben, weil es angeblich nicht vegan genug ist?

Barbara Rütting:
Verrückt, oder? Mir geht es darum, Kinder an eine tierfreundliche Ernährung heranzuführen und mit leckeren Rezepten zu begeistern, nicht darum, sie zu missionieren!

Freiheit für Tiere: Vor kurzem hast du eine Kuh gerettet. Magst du uns davon erzählen?

Barbara Rütting:
Und ob! Aber ja! Es geht um die Waldkuh Elli, inzwischen als »schlaue Elli« berühmt geworden. Das kam so: Eine Frau, die im Schaumburger Wald in Niedersachsen spazieren ging, entdeckte eine Kuh. Die war einem Bauern ausgerissen, weil sie nicht geschlachtet werden wollte, und hatte sich drei Monate lang im Wald versteckt. Die Frau, Kerstin heißt sie, hat die Kuh im Wald regelmäßig gefüttert und zutraulich gemacht. Kurz und gut: Es gelang schließlich, die Kuh einzufangen. Sie war trächtig, denn sie war besamt worden. Der Bauer wusste genau: »Sie wird am 22. Dezember ein Kalb bekommen und danach wird sie geschlachtet.« Das Kälbchen wollte er behalten.

Die Vorstellung, dass diese wunderbare Kuh, die sich jetzt so emanzipiert hatte und stellvertretend für alle Kühe gesagt hat: »Ich nicht! Ich steige aus! Wir lassen uns nicht länger ausbeuten!«, dass diese Kuh geschlachtet werden sollte, war unvorstellbar. Kerstin suchte vergeblich einen Gnadenhof. Weil Elli trächtig war, bedeutete das, zwei Kühe müssten Leben lang versorgt werden. Wo sollte das Geld herkommen?

Erst mal habe ich die Kuh für 1.200 Euro freigekauft, und dann die V-Partei3, die ja Tierrechte im Programm hat, eingeschaltet, um einen Spendenaufruf für die Übernahme von Tier-Patenschaften zu starten. So kam die Kuh gerade noch rechtzeitig auf einen Gnadenhof und brachte ein paar Tage vor dem errechneten Termin ihr Kälbchen zu Welt.

Die Kleine heißt Talitha. Das ist aramäisch und bedeutet »kleines Mädchen«. Jesus soll das gesagt haben, als er ein kleines Mädchen vom Tod erweckte: »Talitha kumi - Mädchen, steh auf!« Das kleine Mädchen ist aufgestanden. Und jetzt stehen die beiden so zauberhaft im Stroh. Und sie gucken auch so selbstbewusst, Mutter Elli und Tochter Talitha.


Die Kuh Elli

hatte mit ihrer Flucht in den Schaumburger Wald im Sommer 2017 für Schlagzeilen gesorgt. · Bild: Kerstin Mueller

Mit Hilfe einer von Barbara Rütting

gestarteten Spendenaktion konnte sie freigekauft werden. Kurz vor Weihnachten brachte sie auf einem Gnadenhof in Niedersachsen das Kälbchen Talitha zur Welt. · Bild: Kerstin Mueller

Die Kleine heißt Talitha.

Das ist aramäisch und bedeutet "kleines Mädchen". Als Jesus ein kleines Mädchen vom Tod erweckte, sagte er: "Talitha kumi - Mädchen, steh auf!" - Das kleine Mädchen ist aufgestanden. · Bild: Kerstin Mueller

Zu meinem 90. Geburtstag hatte mir Horst Seehofer geschrieben. Ich habe ihm die Geschichte von Elli und ihrem Kind geschickt, wie Kühe wirklich leben wollen - mit der Bitte, in der neuen Bundesregierung endlich mehr für den Tierschutz zu tun. Auch dem Bundespräsidenten habe ich die Geschichte von Elli und Talitha geschickt und um mehr Unterstützung für den Tierschutz gebeten - er hatte mir ebenfalls mit sehr persönlichen Worten zum Geburtstag gratuliert.

Was, das bringt doch sowieso nichts?
Ich bin und bleibe Optimistin! (lacht)


Der Klassiker neu aufgelegt:

Barbara Rüttings Koch- und Spielebuch für Kinder

»Papi, gibt es wirklich Menschen, die Fleisch essen?« So beginnt Barbara Rüttings Koch- und Spielebuch für Kinder, vorgestellt von Kater Fettucini. Denn immer mehr Menschen, vor allem Kinder, sagen: »Tiere sind meine Freunde - und meine Freunde esse ich nicht.«

Barbara Rüttings »Koch- und Spielebuch für Kinder« erschien zum ersten Mal bereits 1981 im Georg Lentz Verlag. Kater Fettucini war schon damals dabei, als sein Frauchen Barbara das vegetarische Koch- und Spielbuch für Kinder schrieb, und begleitete ganze Kindergenerationen. Das Buch wurde immer wieder neu aufgelegt - als 7. Auflage 2003 im Mary Hahn Verlag. Viele der Kinder von damals haben heute selbst Kinder. Viele wünschten sich eine Neuauflage. Im Oktober 2017 erschien Barbara Rüttings »Koch- und Spielebuch für Kinder« in völlig neu überarbeiteter Fassung im Nymphenburger Verlag. Zu den
früheren vegetarischen Rezepten sind viele neue, vor allem vegane, hinzugekommen. Die Rezepte sind alle vollwertig und wie schon in der ersten Auflage nach den Jahreszeiten geordnet.

Aus Liebe zu den Tieren

Als Barbara Rütting 1981 das »Koch- und Spielebuch für Kinder« schrieb, war sie überzeugte Vegetarierin - aus Liebe zu den Tieren. Eier und Milchprodukte holte sie vom Bio-Bauernhof.

In der Einleitung der Neuauflage berichtet Kater Fettucini: »Aber eines Tages wurde ihr klar, dass auch die Kälbchen von Bio-Kühen ihren Müttern weggenommen und geschlachtet werden, und dass die männlichen Bio-Küken gleich nach der Geburt umgebracht werden, weil sie eben später keine Eier legen können. Von nun an bereiteten wir Milch, Sahne und Käse selbst zu, aus Haferflocken, Mandeln, Cashewnüssen, Hefeflocken…«

Aufgrund ihrer Ausbildung zur Gesundheitsberaterin nach Dr. Max O. Bruker legt Barbara Rütting Wert auf vollwertige Ernährung. Vollwertig bedeutet: Je frischer und weniger verarbeitet - also naturbelassener - ein Lebensmittel ist, desto vollwertiger ist es. Die Vollwertkost nach Bruker ist zwar ohne Fleisch, Milch, Eier und Honig werden aber als vollwertige Lebensmittel gesehen. Bei Barbara Rütting hat jedoch inzwischen vegan Vorrag vor
vollwertig, erzählt Kater Fettucini. »Also kaufen wir schon mal die Hafersahne oder den Kokosblüten­zucker, natürlich in Bio-Qualität - denn dafür muss kein Tier leiden und sterben. Das ist meinem Frauchen und mir einfach eine Herzensangelegenheit.«

Bei der Neuauflage hat der Verlag die Illustrationen von Jörg Drühl aus der ersten Auflage von 1981 übernommen - ganz im Retro-Stil. Das freut Nostalgie-Freunde und Barbara Rütting-Fans der ersten Stunde. Vielleicht wären aber Fotos zu den Rezepten schön gewesen - die Rezepte sind aber gut verständlich erklärt.

In dem neuen »Koch- und Spielebuch für Kinder« sind die Rezepte etwa zur Hälfte vegetarisch (mit veganen Varianten) und zur anderen Hälfte vegan. Die veganen Rezepte sind in pinker Schrift gekennzeichnet, die vegetarischen Rezepte in grüner Schrift. Ihr Dilemma, ob sie das neue Kochbuch ganz »veganisieren« soll oder nicht, beschreibt Barbara Rütting im »Freiheit für Tiere«-Interview.

Kinder an vegetarisch & vegan heranführen

Das »Koch- und Spielebuch für Kinder« ist geeignet für Familien, die sich mit der vegetarischen Ernährung bekannt machen möchten und für alle vegetarischen Familien, die auch mal in die vegane Küche hineinschnuppern möchten - und natürlich für alle Freunde einer gesunden Vollwert-Küche.

Barbara Rütting - assistiert von Kater Fettucini - zeigt, wie sich naturgesunde Köstlichkeiten nahezu spielerisch zubereiten lassen: vegetarisch, vegan und vollwertig, im Einklang mit den Jahreszeiten.

»Ich bin ganz begeistert - so kann man Kinder motivieren!«
Prof. Dr. Claus Leitzmann, Ernährungswissenschaftler, führender Experte auf dem Gebiet der Vollwerternährung



Barbara Rütting: Koch- und Spielebuch für Kinder
vegetarisch - vegan - vollwertig
72 Seiten, durchgehend farbig illustriert
Nymphenburger, 2017 · ISBN: 978-3-485-02934-6
16,99 Euro