Freiheit für Tiere
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Gespräch mit Barbara Rütting und Edmund Haferbeck

"Tierschutz und Menschenschutz sind untrennbar"

Bild: Freiheit für Tiere

Barbara Rütting schrieb vor 40 Jahren ihr erstes vegetarisches Kochbuch - und vor über 30 Jahren hängte sie ihre erfolgreiche Schauspielkarriere mit Hauptrollen in 45 Filmen an den Nagel, um sich ganz dem Tier-, Natur- und Menschenschutz zu widmen.
Auch Dr. Edmund Haferbeck traf bereits Anfang der 1980er Jahre die Entscheidung, sich für die Rechte der Tiere einzusetzen. Beim Studium der Agrarwissenschaften erlebte er den Umgang mit Tieren in der industriellen Massenhaltung - und konnte dies nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren. Seit 2004 arbeitet Edmund Haferbeck für PETA und ist Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung. Über seinen Schreibtisch gehen alle rechtlichen Angelegenheiten der Tierrechtsorganisation.
»Freiheit für Tiere« sprach mit den beiden Pionieren für Tierschutz, Tierrechte und Ernährung ohne Tierleid.

Barbara Rütting

Barbara Rütting, geboren 1927, spielte Hauptrollen in 45 Filmen, darunter in dem Antikriegsfilm »Die letzte Brücke«, »Die Geierwally«, »Operation Crossbow« mit Sophia Loren und »Stadt ohne Mitleid« sowie an allen großen deutschsprachigen Bühnen.
Nach ihrem Umzug aufs Land erschien 1976 der Bestseller »Mein Kochbuch - naturgesunde Köstlichkeiten aus aller Welt«. 1985 folgte »Mein neues Kochbuch«, ebenfalls ein Bestseller.
In den 1980er-Jahren beendete Barbara Rütting ihre Schauspielkarriere und konzentrierte sich auf ihr Engagement für Umweltschutz, Menschenrechte und Tierrechte. Unermüdlich wies sie auf den Zusammenhang von Massentierhaltung, Bodenverseuchung, der Abholzung der Regenwälder und dem Hunger in der Welt hin. Sie kettete sich aus Protest gegen Tierversuche beim Pharmakonzern Schering an und nahm an zahlreichen Demonstrationen gegen die Nachrüstung teil.
Barbara Rütting war seit Beginn Mitglied der GRÜNEN. Wegen der Zustimmung der GRÜNEN zum Einsatz im Kosovokrieg trat sie aus, später aus Tierschutzgründen wieder ein.
Im September 2003 wurde sie für die GRÜNEN als Abgeordnete in den Bayerischen Landtag gewählt. 2008 wurde sie zum zweiten Mal gewählt, legte aber 2009 aus Gesundheits- und Gewissensgründen vorzeitig das Mandat nieder.
Im September 2009 trat sie aus Protest gegen die Abkehr vom Pazifismus und den mangelnden Tierschutz erneut aus der Partei Bündnis 90/Die Grünen aus.
2010 erschien ihr Buch »Wo bitte geht’s ins Paradies? - Burnout einer Abgeordneten und Neuanfang«, eine Aufarbeitung ihrer 6 Jahre Tätigkeit im Landtag.
2015 erschien die Autobiographie »Durchs Leben getobt«.
Barbara Rütting lebt mit ihrer Hündin Lola in einem Dorf im Spessart.

Dr. Edmund Haferbeck

Dr. Edmund Haferbeck, geboren 1957 in Detmold, studierte Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen. Durch sein Studium im Fachgebiet Tierproduktion wurde er mit dem Leid der Tiere in der industriellen Massentierhaltung konfrontiert. Statt in der Agrarindustrie tätig zu werden, traf er bereits Anfang der 1980er Jahre die Entscheidung, sich für die Rechte der Tiere einzusetzen. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Nerz-, Fuchs- und Iltiszucht in Deutschland.
Von 1990 bis 2009 war Dr. Edmund Haferbeck als grüner Kommunalpolitiker in Schwerin aktiv.
Seit 2004 arbeitet er für die Tierrechtsorganisation PETA in Stuttgart. Er ist Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung. Über seinen Schreibtisch gehen alle rechtlichen Angelegenheiten der Tierrechtsorganisation. Dazu gehören Strafanzeigen gegen Tierquälerei, aber auch die Zusammenarbeit mit der Politik, Verbänden und Unternehmen, um die Lebensbedingungen von Tieren innerhalb des bestehenden Systems zu verbessern.
»Angesichts der Abermillionen Tiere, die täglich gequält und getötet werden, haben wir Tierrechtler von PETA keine Zeit für kleingeistige Scharmützel«, so Erdmund Haferbeck. »Unsere systematischen Kampagnen, die wir mithilfe von Undercover-Ermittlungen gegen den agrarindustriellen Komplex – also gegen die Massentierhaltung und die systemimmanente Tierquälerei – durchführen, ist mit der Anerkennung des Veganismus im gesellschaftlichen Umfeld unser wohl größter Erfolg – auch wenn die Massentierhaltung noch nicht abgeschafft ist.«

Freiheit für Tiere: Barbara und Edmund, ihr setzt euch beide seit Jahrzehnten für Tiere und Tierrechte ein, für vegetarische und vegane Ernährung. Was ist euch aktuell das wichtigste Anliegen?

Barbara Rütting: Erstmal muss ich sagen, dass ich zwischendurch schon verzweifelt bin, wenn ich beispielsweise in diesen Tagen lese: »Tierversuche haben wieder zugenommen«. Seit 40 Jahren kämpfe ich nun dafür, dass sie abgeschafft werden, habe mich 1982 mit anderen Tierschützern am Tor des Berliner Pharmakonzerns Schering angekettet, aus Protest gegen dessen Tierversuche. Die meisten Menschen hatten bis dahin von diesen Gräueln noch nichts gehört und hofften nun wie ich, sie würden bald durch Alternativen ersetzt. Von wegen! Heute werden mehr Tierversuche durchgeführt als je zuvor.
Natürlich kommt – auch bei mir – zwischendurch Verzagtheit auf: Hat sich überhaupt etwas verbessert, ist alles nicht eher schlimmer geworden?
Wir hatten solche Höhenflüge! Als ich bei den Grünen in den Landtag gewählt wurde, hörte ich: »Frau Rütting, jetzt können die Tiere aufatmen! Sie sind für Tierschutz im Landtag!« - Das war eine solche Aufbruchsstimmung!
Andererseits: Immer mehr Menschen sind inzwischen Vegetarier geworden. – Als ich 1976 mein erstes vegetarisches Kochbuch schrieb, sagten alle: »Verrückt, keine Fleisch-, keine Fischrezepte, wer soll denn so was kaufen?« Aber das Buch wurde ein Knüller! Heute ernte ich die Früchte meiner Arbeit: Drei Generationen kochen nun schon nach meinen fleischlosen Rezepten und haben den vegetarischen ‚Bazillus’ intus. Kürzlich sagte mir ein Familienvater freudestrahlend, dass er mit dem Barbara Rütting-Brot und dem Frischkornbrei aufgewachsen ist und alle seine Kinder Vegetarier sind. Also das zu hören, tut schon gut.
Man muss eben auch mal an die Erfolge denken und nicht nur sehen, was trotz großen Einsatzes nicht erreicht wurde.

Ernährung, Verbraucherschutz, Tierschutz,

Umweltschutz hängen zusammen

Barbara Rütting: Politisch bin ich natürlich auch enttäuscht: Die Zeit als Grünen-Abgeordnete im Landtag war mehr als zermürbend. Es war richtig, dass ich mein Mandat vorzeitig zurückgegeben habe. Außerparlamentarisch kann ich viel mehr bewirken! Rückblickend war alles richtig, auch wenn es in meinem Leben so kreuz und quer ging – es gab doch einen roten Faden: Ernährung, Verbraucherschutz, Tierschutz, Umweltschutz hängen zusammen, sind untrennbar.
Das finde ich ganz wichtig, weil wir oft hören: »Ja, ihr kümmert euch um die Viecher, und was ist mit den hungernden Kindern…« - vorgebracht übrigens meistens von denen, die sich weder um das eine noch das andere kümmern. Wir tun beides! Und so sei nur nebenbei gesagt: 1958 – also vor fast 60 Jahren – habe ich an meiner ersten Demo teilgenommen, in München, gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands. Heute ist Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt und auf so gut wie allen Kriegsschauplätzen vertreten.
Ja, ich verzage oft zwischendurch, ich verzweifle sogar – aber dann rapple ich mich wieder auf und sage: Nicht aufgeben, aufmüpfig bleiben – das weiche Wasser bricht den Stein – irgendwann…
Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen vegetarisch leben oder sogar vegan. Dazu versuche ich immer wieder beizutragen, auch in meinen Büchern, Vorträgen und so weiter.

Edmund Haferbeck: Ich kann mich Barbara nur anschließen. Es ist oftmals wirklich so: Wenn man 35 Jahre kämpft, und zwar nicht nur für Tierrechte und Tierschutz, auch für Umweltschutz, Klimaschutz, Menschenschutz vor allen Dingen – ich bin jahrzehntelang beispielsweise im Weißen Ring gewesen für Verbrechensopfer oder beim Westfälischen Kinderdorf – dann stellt man oftmals fest, dass die Politik und der Gesetzgeber genau das Gegenteil von dem machen, was sie in der Öffentlichkeit erzählen. Es wird genau das Gegenteil gemacht! Und diese besondere Heuchelei – und was Tiere angeht, sage ich: organisierte Kriminalität – ist es, was uns umtreibt.
Was die Parteienlandschaft angeht, kann ich Barbara nur Recht geben und nachfühlen, was es bedeutet, von einer Partei wie den Grünen wirklich so enttäuscht zu sein und sich auch verraten zu fühlen. Weil sie eben - nicht nur in Bayern, auch woanders, aktuell in Baden-Württemberg – tatsächlich den Tierschutz verraten haben.

Barbara Rütting: Einer aus der Grünen Fraktion sagte zu mir tatsächlich: »Du, der Tierschutz ist doch nur eine Lachnummer!« - Wenn ich als Grünen-Abgeordnete im Landtag versuchte, einen Antrag einzubringen, zum Beispiel für eine bessere Haltung der Legehennen, fing im Ausschuss sofort einer an zu krähen oder zu gackern. Dann wurde gelacht, der Antrag lächerlich gemacht – eine Lachnummer eben.
Ich habe oft heulend in meinem Büro gesessen und mich gefragt: »Was mache ich hier eigentlich?«. Und das immer wieder, immer wieder – das hat mich dann auch wirklich krank gemacht. Ich weiß noch genau: Es ging um das Schnabelkürzen der Küken. Ich dachte, da werden sie doch nun zustimmen, dass das verboten wird. In dem Ausschuss waren sogar die CSU-Abgeordneten nachdenklich: Der Vorsitzende sagte zu einem Tierarzt, CSU-Mitglied: »Tut das den Küken nicht weh?« Der Tierarzt zuckte nur mit den Schultern und machte »Pff«. Ich bin in mein Büro gegangen, habe geheult und gemerkt, wie ein Riss durch mein Herz ging. Davon habe ich Vorhof-Flimmern zurückbehalten. Und dann habe ich beschlossen: »Jetzt gehe ich raus aus dem Landtag!«
Wie gesagt: Außerparlamentarisch kann ich viel mehr bewirken!

"Außerparlamentarisch kann ich viel mehr bewirken!

Freiheit für Tiere: Barbara, du hast ja gesagt, dass du außerparlamentarisch viel mehr bewirken kannst: durch deine Bücher und Vorträge. - PETA erreicht auch außerparlamentarisch unglaublich viel durch die Recherchen und Kampagnen. Ihr seid ja gerade in den letzten Monaten und Jahren ständig im Fernsehen und in der Presse mit Tierschutz- und Tierrechtsthemen präsent.

Barbara Rütting
(zu Edmund Haferbeck): Die erste eurer Aktionen, bei der ich mitmachte, liegt schon Jahrzehnte zurück. Da ging es um den Urin der Stuten, der verwendet wird…

Edmund Haferbeck: … also Hormone…

Barbara Rütting: … damit Frauen in den Wechseljahren besser über die Runden kommen. Wir haben alle unseren Urin an die Herstellerfirma geschickt… (lacht) Ich bin zur Post gegangen mit dem Fläschchen Urin, in der Hoffnung, dass es wirklich gut versiegelt ist… (lacht) – Das war meine erste Aktion für PETA. Wir arbeiten bis heute sehr gut zusammen.
Also, wenn ich an all das denke, wogegen ich protestiert habe, blockiert und demonstriert… Heute kann ich wieder den Mund aufmachen, wann und wo ich will, demonstrieren gehen, mit wem ich will – und genieße es! Das ist ein Maß an Freiheit – das hätte ich nie gehabt, hätte ich die Zeit im Landtag ausgesessen.

Edmund Haferbeck: Ja, und wie solche Aktionen wie die mit der Stuten-Problematik ausgehen, kann man daran sehen, dass heutzutage dieses alles synthetisch hergestellt wird und keine Pferde mehr dafür leiden müssen. Also, das sind kleine und auch schon mal große Erfolge, die man durch solche Aktivitäten, wie sie Barbara eben geschildert hat, erlebt.
Und wir haben gerade mit Barbara Rütting auf PETA50plus eine tolle Veröffentlichung gemacht – die geht so dermaßen gut, besser als alles andere bisher…

Barbara Rütting: …Wirklich? Schön!

Edmund Haferbeck: … deswegen wollen wir das auch wiederholen, auch mit einer Verlosung ihres letzten Buches »Durchs Leben getobt«. Und darum ist das auch eine ganz wichtige Sache! Barbara ist eben nicht nur eine »Promi«, sondern auch eine, die das lebt, was sie mit PETA oder auch mit anderen Organisationen oder für andere Themen durchführt.

Freiheit für Tiere: Welche Kampagnen treibt PETA aktuell voran?

Edmund Haferbeck:
Neben dem ganzen Bereich Ernährung, Fleischindustrie und so weiter treibt uns derzeit die Heimtier- und die Reptilienhaltung um. Wir haben da gerade größere Erfolge erzielt! Die Baumärkte und Unternehmen steigen immer mehr aus dem Lebendtierverkauf aus - und steigen auch mittlerweile um durch Kooperationen: dass die Leute, wenn sie ein Tier haben wollen, es tatsächlich aus dem Tierheim vor Ort nehmen und nicht vom Züchter oder vom Händler oder vom Baumarkt. Das sind ganz wichtige Kampagnen, denn wir reden hier von Millionen Tieren pro Jahr, die über den Ladentisch gehen. Das wird derzeit von uns angegangen. Und man kann natürlich auch erfolgreich auf die ganzen letzten Jahrzehnte zurückgreifen: Wir brauchten bei dieser Kampagne diese Unternehmen nicht mehr »sturmreif schießen«, um dann in den Dialog zu treten - anders als vorher mit den ganzen Unternehmen der Fleischindustrie.
Die Unternehmen wissen mittlerweile: Wenn wir ein Thema angehen, dann müssen sie mit uns sofort in den Dialog treten, sonst werden sie an den Pranger gestellt - und das will keiner mehr heutzutage.

Freiheit für Tiere: Im Fall des Reptilienhandels wäre das dann ja im ARD-Magazin Report passiert.

Edmund Haferbeck:
Das wäre in Report passiert, doch viele Unternehmen haben bereits im Vorfeld den Ausstieg aus dem Reptilienhandel angekündigt.

Barbara Rütting: Ich finde es großartig, dass ihr bei PETA diese Undercover-Recherchen macht. Ihr seid die mutigste von allen Tierschutzorganisationen.
Ich würde gerne noch einmal auf die politische Situation zurückkommen: Die Regierung von Nordrhein-Westfalen wollte ja das Schreddern der Küken verbieten. Was wurde daraus? Im Tierschutzgesetz steht: »Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.« Warum wurde das Verbot des Kükenschredderns dann abgelehnt? Aus wirtschaftlichen Gründen. Es ist rentabler, die Küken zu schreddern, als sie im Ei zu durchleuchten und davor zu bewahren, geboren zu werden.

Freiheit für Tiere: Wobei das aber eine Entscheidung der Gerichte war.

Edmund Haferbeck
: Ja, die Gerichte haben das Verbot des Kükenschredderns aufgehoben mit der Begründung, die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien seien wichtiger als das Leben von jährlich 50 Millionen männlichen Küken.

Barbara Rütting: Ich denke, auf Druck der Industrie natürlich!

Edmund Haferbeck: … auf Druck der Industrie, natürlich. Und es war tatsächlich eine rein ökonomische Begründung. Und nach dem Tierschutzgesetz reicht das nicht aus, seitdem der Tierschutz als Staatsziel in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland steht. Aber so ist es eben in Deutschland – und die Industrie, die Industrielobby vor allen Dingen, hat sich über die Justiz – die »Hure der Mächtigen«, wie de Talleyrand als Minister Napoleons es ausdrückte - wieder durchgesetzt.

Barbara Rütting: Darum, liebe Leute, geht zur Wahl, informiert euch, rüttelt die Verantwortlichen auf! Die wollen ja wieder gewählt werden. Man sieht doch, wie sie im Moment unruhig werden. Lasst nicht locker und fragt: »Was seid ihr bereit, für den Tierschutz zu machen? – Ach, ihr macht nichts? Dann wähle ich euch nicht.«

Freiheit für Tiere: Es gibt ja diesen schönen Spruch: »Der effektivste Wahlzettel ist der Kassenzettel.«

Pioniere für Tierschutz und Tierrechte im Gespräch

Bild: Freiheit für Tiere

"Der Verbraucher hat die Macht drei Mal am Tag"

Edmund Haferbeck: Als Verbraucher hat man die Macht!

Barbara Rütting: Ja, genau!

Edmund Haferbeck: Drei Mal am Tag.

Freiheit für Tiere: Ich brauche die Eier ja nicht zu kaufen, dann werden für mich auch keine Küken geschreddert.

Barbara Rütting:
Und immer wieder: informieren, informieren, informieren. Neulich fragte mich eine Frau in der Bank: »Ach Gott, ich habe so viele Pickel, Frau Rütting. Und ich bin dauernd erkältet. Sie wissen doch so viel über Ernährung.« Ich sage: »Essen Sie viel Schweinefleisch?« - Strahlt sie: »Ja, ohne Schweinefleisch kann ich nicht leben.« Sag ich: »Ja, dann müssen Sie leider Ihre Pickel behalten!«

Edmund Haferbeck: (lacht)

Barbara Rütting: Also… man wird schon ruppiger im Laufe der Zeit. Dann sind die Leute enttäuscht und sagen: »Früher waren Sie aber netter.«

Edmund Haferbeck: (bekommt Lachanfall) Ach, ist das schön… ja…
Also, man muss das vielleicht noch mal deutlich machen: Auch eine Partei wie die Grünen sind nicht mehr verlässlich, was Tierschutz und Tierrechte anbelangt. Und das, was in Bayern passiert ist bei den Grünen zu Zeiten von Barbara Rütting, wiederholt sich jetzt beispielsweise in Baden-Württemberg, wo die Grünen tatsächlich dafür sorgen, dass eine Organisation wie PETA nicht zum Verbandklagerecht zugelassen wird…

Barbara Rütting: Das gibt’s doch nicht!

Edmund Haferbeck: … und deswegen muss man irgendwann nach all den Jahren und Jahrzehnten der Geduld wirklich austreten, was ich dann auch gemacht habe nach 20 Jahren Parteimitgliedschaft. Und deswegen muss man außerparlamentarisch den Druck erhöhen und auf die Wirtschaft einwirken – und natürlich über den Verbraucher.

»Also… man wird schon ruppiger im Laufe der Zeit.

Dann sind die Leute enttäuscht und sagen: Früher waren Sie aber netter.« · Bild: Freiheit für Tiere

"Insgesamt vollzieht sich doch

ein Bewusstseinswandel"

Freiheit für Tiere: Viele Menschen, die etwas verändern möchten, fragen: »Ja, was kann ich als Einzelner tun?«

Barbara Rütting:
Die Ernährung ist das Allerwichtigste. Wie viel an Leben darf ich mir nehmen? Wir töten auch den Salatkopf, wenn wir ihn aus dem Boden ziehen – das werfen uns ja einige Fleischesser vor. Aber wie viel muss ich, wie viel darf ich mir überhaupt nehmen? Wir leben nicht mehr in der Steinzeit und müssen jedenfalls nicht mehr jagen gehen, um uns zu ernähren.
Die ganze Jagerei ist sowieso ein Extrathema. Auch da ist schon viel erreicht worden, seitdem es möglich ist, für private Grundstücke ein Jagdverbot zu beantragen. Viele Grundstücke sind jagdfrei geworden! Die Jäger zittern schon, wenn das nachher so ein Flickenteppich wird, können sie die Jagd nicht mehr richtig ausüben… herrlich! Insgesamt vollzieht sich doch ein Bewusstseinswandel in der Bevölkerung.

Edmund Haferbeck: Genau. Der mündige Bürger hat die Macht! In der Ernährung hat er mindestens drei Mal am Tag die Macht, nachhaltig und tierleidfrei zu konsumieren, zu essen und zu leben. Er hat es in der Hand bei seiner Kleidung, bei seinen Schuhen - bei allem, wo er tierleidfrei konsumieren kann. Das ist heutzutage überhaupt kein Problem mehr! Auch auf dem Land gibt es mittlerweile eine große Palette nachhaltig veganer Produkte. Der Verbraucher hat die Macht, nachhaltige und tierleidfreie Produktion zu unterstützen. Und das muss er sich nur bewusst machen! Und es bedeutet auch keinen Verzicht, Tierprodukte wegzulassen! Das weiß jeder, der mittlerweile so bewusst lebt. Die tierleidfreien Produkte sind viel, viel besser, sie sind gesünder, sie sind nachhaltiger - und man hat auch ein viel besseres Gewissen dabei.

Barbara Rütting: Es ist ein Glücksgefühl, wenn ich nicht mehr am Tierleid und am Sterben von Tieren mitschuldig bin!
Genau das bewirkt, dass ich die letzte Phase in meinem Leben als die glücklichste betrachte – dass ich immerhin zu weniger Tierleid beitragen konnte in diesen vielen, vielen Jahren, in denen ich mich abgemüht und jede freie Minute geopfert habe. Es lohnt sich! Ich kann nur ermuntern, nicht aufzugeben und weiter zu machen.

Edmund Haferbeck: Das ist ein schönes Schlusswort!

Das Gespräch mit Barbara Rütting und Edmund Haferbeck führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere