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Das grüne Wunder

Das grüne Wunder

Bild: © nautilusfilm/polyband

Ein Kinofilm mit Botschaft

Er liegt ganz in unserer Nähe, aber eröffnet bei genauem Hinsehen eine völlig neue Welt: Mit seinen atemberaubenden, poetischen Bildern ist der Kinofilm DAS GRÜNE WUNDER – UNSER WALD eine spektakuläre Entdeckungsreise durch den bekanntesten, schönsten und vielfältigsten heimischen Lebensraum: den Wald. Verhaltensbeobachtungen vertrauter Tierarten wie Fuchs, Wildschwein, Rothirsch wechseln mit beeindruckenden Aufnahmen der kleinen Waldbewohner wie Schillerfalter, Rote Knotenameisen oder Hirschkäfer.

So macht der Kinofilm das Unbekannte im Bekannten sichtbar: Er gibt faszinierende und liebevolle Einblicke ins Familienleben von Füchsen, zeigt atemberaubende Aufnahmen von Wildschweinen mit ihren Frischlingen und brütenden Schwarzstörchen, zeigt aber auch Waldbewohner, die sich unseren Blicken normalerweise entziehen.

Der Kreislauf des Lebens spiegelt sich auch im Wald in den Jahreszeiten und dem Wechsel von Tag und Nacht. Nach dem langen Winter blüht der Wald wieder auf. Wasser und Sonnenlicht wecken seine Lebensgeister: Mit der Geburt der Fuchsjungen startet eine neue Tiergeneration ins Leben. Auch für die Wildschweine und ihre Frischlinge beginnt eine gute Zeit: Sie durchsuchen den gesamten Wald nach Nahrung. Genüsslich reiben sie sich an Fichtenstämmen, wodurch neue Pollen abfallen, die die weiblichen Zapfen mit ihren Schuppen auffangen. Die Ameisen sind in ihrem Millionenstaat perfekt organisiert. Eine ihrer Aufgaben besteht im Verteilen unzähliger Blumensamen. Ein Eichelhäher hat ihren Haufen genau im Blick. Darauf sind die Insekten vorbereitet: Große Eindringlinge vertreiben sie mit Ameisensäure. Die wiederum nutzt der Eichelhäher, um Parasiten aus seinem Gefieder zu entfernen.

Im April explodiert das Leben. Die Laubbäume zeigen, wer im Wald das Sagen hat: Die Sonne gehört ihnen. Nur alte Wälder mit einer offenen Struktur lassen Strahlen zum Boden dringen. In geschlossenen Wäldern ist der Kampf um das Licht entschieden. Bald werden viele Kräuter welken.

Im Frühsommer erkunden die Jungfüchse erstmals die Welt außerhalb des Baus, und die Jungstörche - auch sie ursprünglich Waldbewohner - lernen fliegen. Die Wildschweine nehmen ein Schlammbad gegen Parasiten.

Ein mächtiges Gewitter lässt das Totholz in Flammen aufgehen. Dies ist jedoch keine Katastrophe, sondern Teil des natürlichen Kreislaufs, der wieder Platz für frisches Grün schafft. Der Brand hinterlässt keine Wüste, sondern er ermöglicht einen neuen Aufbruch.

Es wird Herbst. Der lang ersehnte Regen spült die Insekten von ihren Blättern. Neue Tümpel und Rinnsale entstehen, Wasser ist Leben.
Bei den Hirschen ist Brunftzeit, sie sind mit der Bewachung und Verteidigung ihres Harems beschäftigt. Nun kämpfen auch die Damhirsche, allerdings sehr fair: Sobald die Kräfteverhältnisse geklärt sind, laufen sie friedlich davon.

Schließlich wird alles ruhiger. Der Wald bereitet sich für den Winter vor.

Bild: © nautilusfilm/polyband

DAS GRÜNE WUNDER - die Botschaft des Kinofilms

»DAS GRÜNE WUNDER hat eine Botschaft, und die Tiere und Pflanzen sind die Botschafter«, so der renommierte Tierfilmer Jan Haft, Regisseur und Autor des Kinofilms. Natürlich sind die Aufnahmen von ziehenden Hirschrudeln, niedlichen Fuchswelpen oder Wildschweinfamilien wunderschön anzusehen. Doch der Regisseur geht weiter: »Wer sich auf das Thema einlässt und dem zurückhaltenden Kommentar folgt, erfährt geradezu Ungeheuerliches: Nämlich dass unsere Wälder gar keine echte Natur sind, weil ihnen die großen Tiere fehlen. Große Tiere hatten einst eine wichtige Rolle im Ökosystem. Sie fraßen Triebe, Zweige, Rinde und junge Bäumchen und hielten so den Wald offen, ähnlich einer Parklandschaft. Der deutsche Wald ist also vor lauter Bäumen kein echter Wald, es fehlt die strukturelle Vielfalt, das Mosaik aus Baum- und Strauchgruppen, dunklem Tann und einzelnen Baumveteranen.«

Doch was ist ein Wald? Die Summe seiner Bewohner, der Bäume, der Tiere? Für uns Menschen soll er in der Regel einen Nutzen haben - sei es als Erholungsgebiet, Forst, Holzerwerb oder Jagdrevier. Früher bedeckten Urwälder ganz Europa mit ihrem grünen Dach und beherbergten mächtige Pflanzenfresser wie Wisente und Wildpferde, die für seine offene Struktur sorgten.

Ist diese Urlandschaft von einst für immer verloren, eine bloße Erinnerung? DAS GRÜNE WUNDER endet optimistisch: Die Naturschutzgebiete und das Bewusstsein für die Notwendigkeit dieses einzigartigen Lebensraumes wachsen.

Ab 13.9.2012 im Kino:

DAS GRÜNE WUNDER - UNSER WALD

Mit dem Kinofilm DAS GRÜNE WUNDER - UNSER WALD liefert der renommierte Naturfilmer Jan Haft eine einzigartige Bestandsaufnahme der Artenvielfalt im deutschen Wald.

Während einer Drehzeit von insgesamt sechs Jahren (2005 - 2011) waren die international vielfach ausgezeichneten Kameramänner schwer filmbaren Motiven auf der Spur. Dabei verbrachten sie gut 100 Nächte im Tarnzelt und sammelten mit den neuesten Filmtechniken über 250 Stunden Filmmaterial.

Erzählt von Grimme-Preisträger Benno Fürmann ist DAS GRÜNE WUN DER eine wissenschaftlich exakte und emotional packende Einladung, die aufregenden Lebensformen unseres Waldes mit geschärftem Bewusstsein neu zu entdecken.

DAS GRÜNE WUNDER - UNSER WALD
Ein Film von Jan Haft
Erzählt von Benno Fürmann

Jan Haft (Autor, Regisseur, Produzent, Kamera)
Melanie Haft (Produzentin, Produktionsleiterin)
Jörn Röver (Produzent)
Kay Ziesenhenne (Kamera)
Jörg Magnus Pfeil (Musik)
Siggi Mueller (Musik)

Ein Plädoyer für große Tiere

Bild: © nautilusfilm/polyband

Regisseur Jan Haft: Die Kernaussage des Films

DAS GRÜNE WUN DER - UNSER WALD erzählt die Geschichte des wohl vielfältigsten heimischen Lebensraumes und die der großen Pflanzenfresser, die es einst bei uns gab und die es eigentlich auch heute noch bei uns geben würde. Letztlich erzählt der Film davon, wie unsere Wälder eigentlich aussehen - und wieder aussehen könnten.
In allen Kalt- und Warmphasen des Pleistozäns war Europa (sowie alle anderen Kontinente mit Ausnahme der Antarktis) von einer artenreichen Großtierfauna besiedelt. Mit dem Ausklingen der letzten Eiszeit verschwanden diese Artengemeinschaften oder kehrten nicht wieder zusammen mit den Bäumen in ihr angestammtes Areal zurück. Zahlreiche archäologische Funde legen nahe, dass die Großtiere durch den Menschen ausgerottet wurden, der diese zum Nahrungserwerb und wegen ihrer Häute und Felle jagte.
In der Folge verschwanden die großen Raubtiere wie Säbelzahntiger, Leopard oder Höhlenlöwe, weil sie nicht mehr genügend Nahrung fanden, vielleicht auch weil sie als Nahrungskonkurrenten des Menschen gejagt wurden. Einige wenige der großen Pflanzenfresser, darunter Wildpferd, Auerochse und Wisent, überdauerten in rasch dahinschmelzenden Restarealen, bis auch sie von der Bildfläche Mitteleuropas verschwanden. Nur der Rothirsch konnte sich bis in die jüngste Zeit halten, aber auch er darf sich außerhalb von definierten Rotwildgebieten längst nicht mehr frei bewegen.

Schon bei den Recherchen zum Thema »heimischer Urwald« fiel uns auf, dass dort, wo Großtiere ihre Spuren hinterlassen, die Artenvielfalt besonders groß ist. An beschädigter Baumrinde leben seltene Flechten, in Trittsiegeln und Suhlen wohnen Pionierpflänzchen, urtümliche Krebse und Amphibien, auf Dungplätzen tummeln sich hoch spezialisierte Pilz- und Insektengemeinschaften, Lichtungen beherbergen zahllose Blumen und Schmetterlinge. Große Pflanzenfresser produzieren sehr viel Dung, was sich in einem massenhaften Auftreten der unterschiedlichs­ten Mistkäfer bemerkbar macht. Von ihnen leben viele Fledermäuse und käferfressende Vögel, bis hin zu kleinen Eulen. Wo viele Pflanzenfresser weiden, hat der Wald Lücken und besteht aus einem Mosaik aus dichten, feuchten und offenen, sonnigen Bereichen. In einem solchen Mosaik lebt eine auffällig bunte Artengemeinschaft aus Tieren, Pflanzen und Pilzen. Hier sind viele Arten beheimatet, die gemeinhin als »Offenlandarten« bezeichnet werden. Denn die meisten Vögel, Blütenpflanzen, Insekten und Reptilien tummeln sich niemals im dunklen Waldesinneren, sondern auf Waldlichtungen oder am Waldrand.

Das Fehlen der Weidetier-Herden einerseits und der moderne Mensch, der sich als Landschaftsgestalter über ganz Europa ausbreitete andererseits, waren zwei wichtige Faktoren, die das Bild unserer heimischen Waldlandschaften nachhaltig beeinflussten. Sieht man sich bei uns um, sieht man entweder waldfreie Flächen oder solche, auf denen ein dichter Wald steht. Deutschland (Mitteleuropa) im »Naturzustand« sähe ganz anders aus. Ist es Zeit für eine neue Wildnis?

Ich hoffe, dass unser Film dazu beiträgt, den Wald vor lauter Bäumen wieder sehen zu können - in seiner ganzen Schönheit und Vielfalt.

Bild: © nautilusfilm/polyband

Über den Regisseur Jan Haft

Jan Haft schwor sich als Junge, für immer mit Tieren zu leben und später auch zu arbeiten. Nach seinem Zivildienst beim Landesbund für Vogelschutz Bayern und dem Studium der Geologie und Biologie begann er Anfang der 1990er Jahre als Assistent beim Tierfilm. 1996 gründete er NautilusTV, aus der 2001 die Nautilusfilm wurde, heute eines der erfolgreichsten Unternehmen in der deutschen Naturfilm-Branche. Bislang realisierte Haft für das öffentlich-rechtliche Fernsehen über 40 Naturfilme, die ihn rund um die Welt führten.
Seine Produktionen mit Nautilusfilm sind seit Jahren weltweit auf zahlreichen Festivals und Preisverleihungen erfolgreich, zuletzt »Wildes Skandinavien«, »Das Kornfeld« sowie der NDR-Zweiteiler »Mythos Wald«, der unter anderem bei Festivals in New York, Pamplona, Graz, Bangkok, Bristol und Jackson Hole gewann.